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Das linke Seeufer ist einer der bedeutendsten Naherholungsräume für die Stadt Luzern. Um die Lebens- und Aufenthaltsqualität am linken Seeufer zu steigern, hat die Stadt ein Entwicklungskonzept erarbeitet. Darin sind Massnahmen definiert, um in den nächsten 15 Jahren insbesondere die Natur- und Erholungsräume aufzuwerten. Das Konzept bildet unter anderem die Basis für die Aufwertung des Inselis.

Die Stadt hat sich – ausgelöst durch die Volksinitiative «Lebendiges Inseli statt Blechlawine» vom September 2017 und durch die Motion 435 vom September 2008 «Linkes Seeufer: Von der Schmuddelecke zur Uferpromenade» – zum Ziel gesetzt, das Seeufer in seiner Gesamtheit zu betrachten. Die verschiedenen Teilräume sollen in ihrer Nutzung, ihrer Gestaltung und ihrem Zusammenspiel analysiert, aufeinander abgestimmt und durch attraktive Verbindungen mit dem angrenzenden Quartier, dem Bahnhof und den übrigen Teilen der Stadt vernetzt werden.

Perim. linkes Seeufer
Perimeter linkes Seeufer

Testplanung

In einem ersten Schritt wurde im Rahmen einer Testplanung die Freiraumpotentiale des Gebietes ermittelt, analysiert und qualitative Weiterentwicklungsmöglichkeiten aufgezeigt. Das Ziel war, dass drei interdisziplinär zusammengesetzte Planungsteams Zielbilder mit einem Zeithorizont bis 2035 erarbeiten. Der Fokus der Testplanung lag auf dem Freiraum sowie dessen Vernetzung mit dem angrenzenden Quartier und dem Bahnhofsgebiet. Die Testplanung wurde im Oktober 2019 gestartet und im Sommer 2020 abgeschlossen.

Zur Bearbeitung der Aufgaben wurden folgende Teamzusammensetzungen beauftragt:

  • extrâ Landschaftsarchitekten AG (Bern) mit LEISMANN AG (Bern), Kontextplan AG (Bern) und Martin Beutler (Bern)
  • freiraumarchitektur GmbH (Luzern) mit S2L GmbH (Zürich), Ernst Niklaus Fausch Partner AG (Zürich), Urban Equipe (Zürich) und WAM Planer und Ingenieure AG (Solothurn)
  • Studio Vulkan Landschaftsarchitektur GmbH (Zürich) mit Christian Salewski & Simon Kretz Architekten GmbH (Zürich), Schneiter Verkehrsplanung AG (Zürich), Zimraum Raum+Gesellschaft (Zürich) und OePlan GmbH (Altstätten)

Die Testplanung hat gezeigt, dass das linke Seeufer durch seine räumlich diverse Struktur, die sich in einer grossen Nutzungsvielfalt äussert, bereits eine sehr hohe Qualität hat. Diese Qualitäten sollen gestärkt werden. Ein Beurteilungsgremium hat die drei Teambeiträge gewürdigt und zahlreiche Erkenntnisse und Empfehlungen sowie fünf zentrale Grundsätze im Synthesebericht formuliert:

Beibehaltung und Stärkung der Nutzungen

Die bereits heute im Ansatz vorhandene Abfolge von befestigtem Ufer mit Industrie- und Hafenatmosphäre bis naturnah gestalteten Uferlandschaften soll erhalten und die Identitäten und Eigenarten der Teilräume sollen verstärkt werden. Das Ufer vom Inseli bis zum «Werftplatz» soll sich durch eine urbane Gestaltung und hohe Nutzungsintensität auszeichnen. Ab dem «Werftplatz» soll die Gestaltung und Nutzung verstärkt auf Naherholung, Gewässerschutz und Biodiversität fokussieren. Zwischen Motorboot- und Segelboothafen sind ökologische Massnahmen zur Schaffung neuer Ufer- und Gewässerlebensräume vorgesehen.

Den «Werftplatz» zu einem urbanen Begegnungsort umgestalten

Die Testplanung hat auch gezeigt, dass ein neu angeordneter «Werftplatz» beim technischen Sporn eine zentrale Rolle hat. Einerseits ist er eine Art Scharnier zwischen der urbanen und der naturnahen Ufergestaltung. Zudem führen viele Wege wie zum Beispiel der geplante «Rösslimatthain» dorthin. An diesem Knotenpunkt soll ein urbaner Platz für Begegnungen geschaffen werden.

Alpenquai als grüne Fuss- und Veloachse aufwerten

Auf dem Alpenquai soll eine Verbindungsachse für den Fuss- und den langsamen Veloverkehr entstehen. Damit der Baumbestand den notwendigen Platz erhält und neue Freiräume geschaffen werden können, ist eine starke Reduktion der öffentlichen Parkfelder notwendig. Dadurch kann der Durchgangs- und Suchverkehr vor allem an schönen Wochenenden reduziert werden.

Stadtklima optimieren

Für den Umgang mit der zunehmenden Veränderung des Stadtklimas sowie zur Erhöhung der Aufenthaltsqualität sollen die Strassenräume im Tribschenquartier mit Bäumen beschattet, Flächen gezielt entsiegelt sowie mit einem System für das Wassermanagement ergänzt werden.

Die Werkhofstrasse als zentrale Erschliessungsachse erhalten

Der Werkhofstrasse kommt eine zentrale Rolle bei der Erschliessung des Tribschenquartiers und des Seeufers für den Autoverkehr zu. Eine Busverbindung durch das Quartier drängt sich für den untersuchten Zeithorizont bis 2035 vorerst nicht auf.

Zukunftsbild (perspektivische Darstellung)
Zukunftsbild (perspektivische Darstellung)

 

Entwicklungskonzept

Im Anschluss an die Testplanung begann im September 2020 die zweite Phase mit der Erarbeitung des Entwicklungskonzepts linkes Seeufer. Zur fachlichen Begleitung der Erarbeitung des Entwicklungskonzepts wurde ein Auftrag an das Planungsbüro freiraumarchitektur GmbH vergeben. Das nun vorliegende Entwicklungskonzept, welches dem Grossen Stadtrat im Herbst 2021 zur Kenntnisnahme vorgelegt wird, beinhaltet ein Zukunftsbild mit den fünf Grundsätzen, welche sich aus der Testplanung ergaben, und eine Umsetzungsstrategie. Es deckt den Zeithorizont der nächsten 15 Jahre ab. Das Entwicklungskonzept definiert erstmals die freiräumlichen und städtebaulichen Entwicklungsabsichten für das linke Seeufer. Mit dem Entwicklungskonzept werden Grundlagen geschaffen für die langfristige Umsetzung der mit den politischen Vorstössen und der Initiative angeregten Veränderungen am linken Seeufer.

Mit dem B+A 18/2021: «Entwicklungskonzept für das linke Seeufer und das Gebiet Tribschen II» hat der Stadtrat basierend auf dem Entwicklungskonzept sieben konkrete Umsetzungsprojekte für einen kurzfristigen Zeithorizont definiert. In einem ersten Schritt werden bis 2023 folgende Projekte gestartet:

  • Ökologische und landschaftliche Aufwertung des Seeufers: Ziel ist es, die Seeufer und die angrenzende Flachwasserzone im Bereich der Kantonsschule Alpenquai, bei den bestehenden Brutinseln sowie in den Bereichen Ufschötti-Süd und Ufschötti-Nord ökologisch und landschaftlich aufzuwerten. 
     
  • Pop-up-Park «Werft» als neuer Freiraum: Ziel ist es, die 28 Parkplätze westlich der SNG-Werft auf dem technischen Sporn aufzuheben und die frei gewordene Fläche für rund drei Jahre in Form eines Pop-up-Parks als Freiraum zu nutzen.
     
  • Neugestaltung Inseli: Ziel ist es, die 2017 angenommene Initiative «Lebendiges Inseli statt Blechlawine» umzusetzen. Dabei soll der Carparkplatz Inseli-Quai zugunsten einer Erweiterung der dort bestehenden Grünfläche aufgehoben werden. 2021 wird eine Machbarkeitsstudie gestartet. Die Neugestaltung des Inseli ist frühestens 2025 möglich.
     
  • Betriebs- und Gestaltungskonzept Tribschenstrasse: Ziel ist es, den Strassenraum der Tribschenstrasse aufzuwerten und gemäss «Entwicklungskonzept linkes Seeufer» in eine Schattenachse umzugestalten. Der Strassenraum soll auch als Lebensraum gestaltet und stadtklimatisch optimiert werden.
     
  • Machbarkeitsstudie zum «Apothekergärtli»: Ziel ist es, dass das «Apothekergärtli» ein attraktiver Aufenthaltsort für verschiedene Nutzergruppen wird. Dabei sollen die bestehenden Qualitäten weiterentwickelt werden. Längerfristig sollen insbesondere die Zugänglichkeit und die Einsehbarkeit verbessert werden.
     
  • Aufwertung Alpenquai als Fuss- und Veloachse: Ziel ist es, eine grüne Fussgänger- und Veloverkehrsverbindung zu erstellen, neue Freiräume zu schaffen und dem wertvollen Baumbestand den nötigen Raum zu geben, damit der Alpenquai vom Autoverkehr entlastet werden.
     
  • Vorstudie für den «Werftplatz»: Ziel ist es, den «Werftplatz» als Scharnier des linken Seeufers weiterzuentwickeln. In einer Vorstudie sollen mögliche Varianten auf ihre Machbarkeit geprüft werden. Ebenfalls Teil der Vorstudie wird die technische Machbarkeit der Umgestaltung des Werftstegs sein. Basierend auf den Erkenntnissen der Vorstudie wird das weitere Vorgehen definiert.
Übersicht über die Umsetzungsprojekte
Übersicht über die Umsetzungsprojekte

Inseli

Ursprünglich war vorgesehen, dass basierend auf dem vorliegenden Entwicklungskonzept linkes Seeufer ein Projektwettbewerb für das Inseli durchgeführt wird. Dieses Vorgehen mittels Projektwettbewerb wurde mit B+A 4/2017: «Initiative ‹Lebendiges Inseli statt Blechlawine›» aufgezeigt. Die Vorbereitungen des Wettbewerbs Inseli wurden im Herbst 2020 gestartet. Die Vorbereitungsarbeiten haben ergeben, dass es eine grössere Herausforderung ist, als während der Abstimmung zur Initiative «Lebendiges Inseli statt Blechlawine» angenommen, sowohl die Initiative umzusetzen als auch die Määs auf dem Inseli unverändert zu belassen. Zudem ergeben sich laufend neue Erkenntnisse im Zusammenhang mit dem Jahrhundertprojekt Durchgangsbahnhof Luzern. In einem nächsten Schritt soll nun eine Machbarkeitsstudie durchgeführt werden, welche die vielfältigen Anforderungen, die an den Raum Inseli gestellt werden, vertieft überprüft und den Spielraum aufzeigen soll. Basierend auf den Ergebnissen dieser Machbarkeitsstudie wird der Stadtrat Ende 2021 über das weitere Vorgehen entscheiden.

Einbezug der Bevölkerung

Im Rahmen der Planungen zum linken Seeufer wurden die Quartierkräfte, verschiedene Anspruchsgruppen und das ansässige Gewerbe in einen Mitwirkungsprozess einbezogen. Bereits als Projektinitiierung Ende 2018 bis zur Erarbeitung des Entwicklungskonzepts wurden verschiedene Workshops durchgeführt, an denen das geplante Vorgehen, die Bedürfnisse der Bevölkerung sowie die Ergebnisse der Testplanung diskutiert wurden. Für die Erarbeitung des Entwicklungskonzepts fanden im Oktober und November 2020 zwei Veranstaltungen statt. Im Rahmen der zweiten Mitwirkungsphase im November 2020 wurden dann mögliche Umsetzungsprojekte diskutiert, welche wiederrum in einen Workshop mit Kindern und Jugendlichen aus dem Quartier (siehe Video) und in einen Workshop mit interessierten Quartierkräften und Quartierbewohnenden aufgeteilt wurde. Die Erkenntnisse beider Workshops wurden anschliessend in einem Mitwirkungsbericht zusammengefasst.
Die bisher etablierten partizipativen Prozesse sollen auch bei den Umsetzungsprojekten eine zentrale Rolle spielen. Im Rahmen einzelner Projekte werden die Quartierbevölkerung und das Gewerbe jeweils einbezogen.
 

Dokumente

B+A 18/2021: «Entwicklungskonzept für das linke Seeufer und das Gebiet Tribschen II»
B+A 3/2017 «Entwicklungskonzept für das linke Seeufer und das Gebiet Tribschen»
B+A 4/2017 Initiative „Lebendiges Inseli statt Blechlawine“
 

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