Im Detail
Bis 2050 strebt die Schweiz Netto-Null-Treibhausgasemissionen an. Um dieses Ziel zu erreichen, gilt es alle Potenziale zur CO2-Reduktion auszuschöpfen, insbesondere diejenigen im Hochbau. Der Energieverbrauch von Gebäuden wird durch gesetzliche Vorgaben und Fördermittel zukünftig erheblich sinken. Daher hat sich in den letzten Jahren der Fokus im Bauwesen von der Betriebsenergie hin zur grauen Energie verschoben. Die graue Energie beinhaltet jene Treibhausgasemissionen, die im Erstellungsprozess der Gebäude vom Rohstoffabbau über den Herstellungsprozess der Baumaterialien (z. B. Herstellung von Metallen, Glas, Zement), den Transport sowie auch die Entsorgung ausgestossen werden. Die Erstellung eines durchschnittlichen Neubaus verursacht ein Vielfaches an Treibhausgasemissionen im Vergleich zum Betrieb.
Gemeinsame Anstrengungen von privater und öffentlicher Seite entscheidend
Der Stadtrat ist sich bewusst, dass klimaschonendes Bauen ein sorgfältiges Abwägen zwischen ökologischen, ökonomischen und funktionalen Zielen erfordert. «Pauschale Lösungen sind nicht zielführend. Vielmehr braucht es flexible Strategien, die sowohl die baulichen Gegebenheiten als auch die finanziellen Rahmenbedingungen berücksichtigen und gleichzeitig einen Beitrag zur Erreichung der Klimaziele leisten», sagt Baudirektorin Korintha Bärtsch. Die im vorliegenden Planungsbericht vorgeschlagenen Massnahmen leisten einen wichtigen Beitrag zur Förderung klimaschonender Bauweisen. Ihre Wirksamkeit hängt jedoch massgeblich davon ab, ob und in welchem Umfang die privaten Bauherrschaften bereit sind, die Ansätze zur Reduktion der grauen Energie mitzutragen und in ihren Projekten umzusetzen.
Stufenweises Vorgehen
Konkret will der Stadtrat eine Fachstelle «Klimaschonendes Bauen» schaffen. Die Fachstelle wird den Transformationsprozess vorantreiben und während sechs Jahren mit 160 Stellenprozenten besetzt sein. Die Thematik soll schrittweise in die bestehenden Abläufe und Regelwerke integriert werden, weshalb die Ressourcen für die Fachstelle nur befristet notwendig sind. Finanziert durch den Energiefonds wird ein neues finanzielles Förderprogramm für Bauende geschaffen, um beispielsweise Studien zu verschiedenen Um- und Neubauvarianten finanzieren zu können. Ebenso gilt es verwaltungsintern Wissen und Kompetenzen aufzubauen, um Bauende sowie stadtinterne Projektleitende zum Thema graue Energie zu unterstützen. Zusätzlich soll bei Fachpersonen wie auch der Bevölkerung das Bewusstsein für graue Energie geschärft werden. Auch bei den stadteigenen Hochbauten braucht es einen speziellen Effort, um Gebäude von der Planung bis zum Rückbau konsequent unter Umweltgesichtspunkten zu betrachten. Zu einem späteren Zeitpunkt wird eine Anpassung der Bau- und Zonenordnung angestrebt, um Anreize und Vorgaben zur Reduktion von grauer Energie zu schaffen. Der Effekt all dieser Massnahmen soll mit einem kontinuierlichen Monitoring messbar gemacht werden.
Das stufenweise Vorgehen von niederschwelligen Massnahmen im ersten Schritt zu einer Anpassung von gesetzlichen Vorgaben zu einem späteren Zeitpunkt ermöglicht es, Erfahrungen zu sammeln, die in den Gesetzgebungsprozess einfliessen können. Dies ist erforderlich, weil die Stadt Luzern zurzeit wenig Spielraum für eigene gesetzliche Vorgaben hat und zudem zum heutigen Zeitpunkt unklar ist, welche gesetzlichen Vorgaben angemessen sind, ohne dadurch beispielsweise die Innenentwicklung oder energetische Sanierungen zu behindern.
Anträge an den Grossen Stadtrat
Mit dem vorliegenden Bericht und Antrag beantragt der Stadtrat nebst den Änderungen des Reglements für eine nachhaltige städtische Energie-, Lufteinhalte- und Klimapolitik auch einen Sonderkredit von insgesamt 2,448 Mio. Franken. In Kombination mit dem Bericht und Antrag «Vorbild Klimaschutz und Energie Stadtverwaltung Luzern», welcher gleichzeitig veröffentlicht wird, soll damit ein weiterer Beitrag zur Erreichung der Klimaziele geleistet werden. Der Grosse Stadtrat wird den Bericht und Antrag «Graue Energie im Hochbau» voraussichtlich am 13. November 2025 beraten.
Link:
Bericht und Antrag 26/2025: «Graue Energie im Hochbau»
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Reduzierung graue Energie Medienmitteilung 06.08.2025 (PDF, 114.54 kB) | Download | 0 | Reduzierung graue Energie Medienmitteilung 06.08.2025 |