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Die Kehrichtverbrennungsanstalt im Ibach - 2015 ist nach 43 Jahren Schluss

Auch wenn allenthalben das Littering beklagt wird, so reinlich wie heute ging es in unseren Städten früher bei weitem nicht zu und her. Zwar hatte Luzern bereits seit 1835 eine öffentliche Kehrichtabfuhr, die fast täglich in den Quartieren und auf den Plätzen den Abfall einsammelte. Doch herrschten zuweilen noch am Ende des 19. Jahrhunderts hygienische Zustände, die uns die Haare zu Berge stehen lassen. Aus dem Quartier Zürichstrasse berichtete Grossstadtrat Dagobert Schnyder-Roos 1892: „Diese Häuser in der Steinbruchstrasse (= Fluhmattstrasse) 4, 6, 8, 10 besitzen zusammen einen sogenannten Lichthof oder besser gesagt einen Stinkhof, einen wirklichen Seuchenherd. Gegen diesen finsteren Winkel liegen sämtliche Küchen und Aborte dieser vier Häuser. Alle Abfälle werden von den Küchen in diesen Raum geworfen. Ein Zuleitungsrohr zur Abtrittsgrube ist gebrochen, das Ableitungsrohr zugestopft und der ganze Unrat häuft sich in der niedrigen Grube, welche in der Mitte des Hofes liegt, an.“

Gerade wegen des rasanten Bevölkerungswachstums ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war die Stadt dringlich gefordert, ihre sanitarische Infrastruktur zu verbessern. Neben dem Ausbau des Kanalisationssystems war auch die Frage um die Abfallbeseitigung ein ständiges Thema. Aus dem Verwaltungsbericht von 1899: „Man studiert vor allem die Frage der Kehrichtverbrennung, und auch Luzern wird in nicht allzu ferner Zeit vielleicht an diese Lösung herantreten müssen.“ Tatsächlich liess Luzern 1907/08 eine Kehrichtverbrennungsanlage (KVA) mit einer Kapazität von „30 bis 35 Tonnen Hausmüll in 24 Stunden“ projektieren, die auch dann noch genügen sollte, wenn die Einwohnerzahl der Stadt auf 70‘000 bis 75‘000 angewachsen wäre. Angesichts der Kosten konnte man sich in Luzern aber noch nicht zur Realisierung einer Kehrichtverbrennungsanlage durchringen. Zürich (1904), Davos (1914), Basel (1941) und Bern (1954) blieben lange Zeit die einzigen Schweizer Städte, die eine KVA betrieben.

Statt einer Kehrichtverbrennungsanlage stand in den 1920er- und 30er-Jahren eine Kehrichtverwertungsanlage als Lösung des Abfallproblems im Vordergrund. Zur Beschränkung des teuren Imports von Kunstdünger wurde die Gewinnung von Dünger aus Kehricht propagiert. In Luzern bewarben sich verschiedene Interessenten um eine Konzession. Wohl wurde eine solche 1920 an ein Syndikat vergeben, doch löste sich dieses noch vor der Umsetzung seiner Pläne auf. Verschiedene Versuche stellten die Wirtschaftlichkeit von Kehrichtverwertungsanlagen in Frage. Luzern führte seinen Abfall weiterhin in seine Deponie am Rotsee ab, auch wenn sich die Anwohnerschaft über die massiven Immissionen beschwerte. Erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts war der Druck zum Handeln gross genug: 1963 fällten Luzern und seine Nachbargemeinden den Entscheid für den Bau einer Kehrichtverbrennungsanlage im Ibach und schlossen sich dafür in einem Zweckverband zusammen. Ende 1967 wurde mit dem Bau der KVA Ibach begonnen, 1971 konnte sie eröffnet werden. Nach 43 Betriebsjahren wird sie 2015 durch einen Neubau in Perlen ersetzt, der nicht nur eine Kehrichtverbrennungsanlage, sondern eine höchst effiziente Energiegewinnungsanlage ist.