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23. August 2021
Die Zeichen des Klimawandels sind unübersehbar. Die Zeit drängt, diese dramatische Entwicklung zu stoppen. Der Stadtrat nimmt seine Verantwortung wahr: Die Stadt Luzern will ihren Beitrag zur Lösung dieses globalen Problems leisten. In der Klima- und Energiestrategie zeigt der Stadtrat den längerfristigen Weg und die konkreten Massnahmen dazu auf. Klar ist: Das wird ein enormer Kraftakt.

Die weisse Kappe des Titlis ist geschmolzen, Hitzesommer mit lang anhaltender Trockenheit und Überflutungen nach Niederschlägen häufen sich: Die Auswirkungen des Klimawandels sind auch bei uns deutlich sicht- und spürbar. Global sind hunderte Millionen von Menschen vom steigenden Meeresspiegel, von knapp werdendem Trinkwasser und der Zerstörung ihrer landwirtschaftlichen Nutzflächen betroffen. Sie verlieren ihre Lebensgrundlagen und müssen im schlimmsten Fall ihre Heimat verlassen.

Meeresspiegel könnte um fünf Meter steigen

Ursache für den Klimawandel ist der Mensch, insbesondere sein gigantischer Konsum von Kohle, Erdölprodukten und Erdgas. Bei ihrer Verbrennung gelangt Kohlendioxid (CO2) in die Atmosphäre und reduziert die Abstrahlung von Wärme in den Weltraum. Durch diesen sogenannten Treibhauseffekt ist es seit Beginn des 20. Jahrhunderts durchschnitt lich 1 Grad wärmer geworden. Das tönt vielleicht nach wenig. Aber: Gemäss Weltklimarat (Intergovernmental Panel on Climate Change, kurz IPCC) muss bei einer Erwärmung zwischen 1,5 und 2 Grad damit gerechnet werden, dass viele Tier- und Pflanzenarten aussterben und das Grönlandeis weitgehend abschmelzen werden. Letzteres führt zum Anstieg des Meeresspiegels um rund fünf Meter. Um dies zu verhindern, müssen die globalen CO2- Emissionen bis spätestens 2050 auf null sinken. Dieses Ziel hat sich die Schweiz gemeinsam mit anderen Staaten mit dem Klimaabkommen von Paris gesetzt. Das abgelehnte eidgenössische CO2-Gesetz wäre ein wichtiger Schritt zur Zielerreichung gewesen. Dass die Stadtluzerner Stimmberechtigten dem CO2-Gesetz mit einer Zweidrittelmehrheit zugestimmt haben, interpretiert der Stadtrat als Unterstützung für die städtische Klima- und Energiepolitik.

Erste Erfolge, aber der Weg ist noch lang

Die Stadt Luzern verfolgt seit mehr als 20 Jahren eine aktive Klima- und Energiepolitik. 2011 hatten die Stimmberechtigten dem aktuellen und immer noch ehrgeizigen Energiereglement klar zugestimmt. Mit Befriedigung darf festgestellt werden, dass die Stadt Luzern in Bezug auf die damals festgelegten Ziele auf Kurs ist: Zwischen 2010 und 2019 sind die Treibhausgasemissionen und der Energieverbrauch um elf Prozent zurückgegangen und das Verkehrsaufkommen in der Innenstadt hat um neun Prozent abgenommen. Liegenschaften wurden isoliert, Öl- und Gasheizungen durch Wärmepumpen ersetzt und Solaranlagen gebaut. ewl (Energie Wasser Luzern) hat in Wärmenetze investiert, und die Stadtverwaltung hat die Treibhausgasemissionen ihrer Liegenschaften halbiert.

Doch das genügt nicht. Will die Stadt Luzern ihren Anteil an der global erforderlichen Reduktion der Treibhausgasemissionen leisten, muss sie ihre Anstrengungen deutlich verstärken. Diesen Auftrag haben Parlament und Bevölkerung dem Stadtrat erteilt: Gefordert wurde die Reduktion der Treibhausgasemissionen auf null bis 2030.

Sehr ehrgeizig: Null CO2-Emissionen bis 2040

Als Antwort auf diese Forderungen hat der Stadtrat am 30. Juni 2021 den Bericht und Antrag «Klima- und Energiestrategie Stadt Luzern» verabschiedet. Die Treibhausgasemissionen bis 2030 auf null zu reduzieren, erachtet der Stadtrat als unrealistisch. Dazu müssten die fossilen Energieträger, die heute 60 Prozent des Energieverbrauchs decken, innerhalb von nur zehn Jahren eliminiert werden. Der Stadtrat setzt sich das überaus ehrgeizige, aber notwendige und machbare Ziel, die energiebedingten Treibhausgasemissionen bis im Jahr 2040 auf null zu senken. Der Energieverbrauch soll bis 2050 auf 2000 Watt Dauerleistung pro Person halbiert werden.

Mit der Klima- und Energiestrategie zeigt der Stadtrat auf, wie er sich die Klima- und Energiepolitik der nächsten Jahre vorstellt. Das Stadtparlament behandelt den Bericht und Antrag im November/Dezember dieses Jahres. Das letzte Wort haben am 15. Mai 2022 die Stimmberechtigten.

Kein Erdöl, Erdgas, Benzin und Diesel mehr

Die untenstehende Grafik stellt die bisherige und die angestrebte zukünftige Entwicklung der energiebedingten Treibhausgasemissionen auf Stadtgebiet dar. Damit der Ausstoss von Treibhausgasen bis 2040 auf null gesenkt werden kann, muss auch der Verbrauch von Erdöl (ocker), Erdgas (gelb), Benzin (dunkelrot), Diesel (mittelrot) und Kerosin (hellrot) auf null gesenkt werden. Synthetische Treibstoffe sind kohlenstoffhaltige Treibstoffe, welche auf pflanzlicher Basis oder aus Kohlendioxid erzeugt werden. Dass die Treibhausgasemissionen ab 2040 nicht null betragen, liegt daran, dass auch vorgelagerte Emissionen ausgewiesen werden, welche etwa bei der Produktion von Photovoltaikanlagen entstehen. Weil die Stadt Luzern diese Emissionen nicht beeinflussen kann, werden sie als gleich hoch angenommen wie heute. Tatsächlich werden aber auch diese vorgelagerten Emissionen abnehmen, da auch ausserhalb der Stadt Luzern Klimaschutz betrieben wird.

Grafik zu den Treibhausgasemissionen

 

Peter Schmidli, Bereichsleiter Luft, Energie, Klimaschutz

 

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Stadtmagazin Nr. 3/2021

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