Kopfzeile

Inhalt

Die mehr als 100 Jahre alte Linde am Schweizerhofquai ist in einem bedenklichen Zustand. Ohne Rettungsmassnahmen wird sie eingehen und gefällt werden müssen. Weil es ein stadtbildprägender Baum mit grossem Nutzen für Mensch und Umwelt ist, versucht die Stadtgärtnerei ihn zu erhalten. Dazu kommt erstmals ein neues, in der Stadt Luzern noch nie verwendetes Verfahren zum Einsatz. Gleichzeitig werden die Entwicklung und die Ökosystemleistungen des Baums durch iTree Bewertungen ermittelt und vor Ort kommuniziert.

Etwa auf Höhe des Schiffrestaurants «Wilhelm Tell» am Schweizerhofquai steht eine alte, markante Linde. Der über 100-jährige Baum ist etwa 20 Meter hoch und schon seit längerem in einem bedenklichen Zustand. Sein Ende ist absehbar. Die Linde zu fällen und zu ersetzen, ist für die Stadtgärtnerei aufgrund ihres Nutzens für Mensch und Umwelt aktuell aber keine Option. Zuerst wird versucht, sie mit diversen Massnahmen wieder aufblühen zu lassen.

Vor etwa zehn Jahren fanden unter anderem im Wurzelbereich dieser Linde umfangreiche Bauarbeiten an Werkleitungen statt. Dabei wurden grosse Teile des damals noch offenen, für Bäume gut geeigneten Bodens entfernt. Stattdessen wurde über den Wurzeln ein Kiesplatz erstellt. Damit wollte man den Standort des Baumes und seine Erscheinung betonen. Nun stellen sich diese Eingriffe für den Baum als nachteilig heraus. Bäume brauchen genügend offenen Boden, damit Luft und Wasser zu den Wurzeln gelangen können. Erst dadurch ist es dem Baum möglich, seine Krone mit Nährstoffen zu versorgen. Aktuell hat die Linde zu wenig Erde, Bodenluft und Regenwasser. Deshalb weist sie von Jahr zu Jahr markant weniger Blätter auf. Zudem macht ihr ein Pilzbefall in der Baumkrone zu schaffen.

Einen Eindruck der Auswirkungen vermitteln die Fotos in der Bildergalerie.

Nun wird in einem ersten Schritt der Boden rund um den Stamm aufgelockert und eine dünne Schicht Kompost aufgelegt und eingearbeitet. Anschliessend werden Gräben, die vom Baumstamm wegführen, ausgehoben. In diesen Gräben sollen sich neue Baumwurzeln ideal entwickeln können. Die Gräben werden mit Baumsubstrat gefüllt. Der ganze Bereich um den Stamm wird abschliessend mit einer etwa zehn Zentimeter dicken Mulchschicht aus Holzschnitzeln überdeckt. Diese neue Technik nennt sich «Radical Trenching» und kommt in Luzern erstmals zum Einsatz.

Für diese Rettungsaktion der Stadtgärtnerei gibt es gute Gründe. Grosse ausgewachsene Bäume erbringen einen enormen Nutzen für die Umwelt und die Bevölkerung. Die Fachleute sprechen hier von sogenannten Ökosystemleistungen. Konkret produzieren solche Bäume viel Sauerstoff, binden Kohlendioxid (CO2), halten Feinstaub fest, liefern viel Schatten, fangen das Regenwasser auf und verdunsten es wieder. Bis ein neu gepflanzter Baum dieselben Leistungen erbringt wie die Linde, dauert es mindestens 50 Jahre. Zudem hat die 100-jährige Linde noch ein langes Leben vor sich: Linden können im Optimalfall etwa 1000 Jahre alt werden.

Für die Erhebung der Ökosystemleistungen wird das Programm «i-Tree» verwendet. Dabei handelt es sich um eine Software des United States Department of Agriculture (www.itreetools.org). Die Stadtgärtnerei verwendet das Programm im Zusammenhang mit dem Klimaanpassungs Pilotprogramm F.10: "Stadtbäume angepasst managen" des Bundesamts für Umwelt (BAFU) seit Sommer 2020 und setzt es nun gezielt für dieses Projekt ein. Mit dieser wissenschaftlich anerkannten Methode können die erwähnten Ökosystemleistungen von Stadtbäumen zuverlässig bewertet werden. Für die Linde wird in den vier Versuchsjahren für jedes Jahr eine neue Bewertung durchgeführt. Die Ergebnisse der Auswertungen werden vor Ort auf Plakaten sowie online veröffentlicht. Somit kann auch die Bevölkerung die Entwicklung des Baums mitverfolgen.

Die Massnahmen werden während der nächsten vier Jahren durchgeführt. Anschliessend wird über das weitere Vorgehen entschieden. Die Arbeiten kosten rund 15’000 Franken.

Unterstützt wird die Stadtgärtnerei dabei vom "i-Tree" Projektteam iin der Schweiz und im speziellen von Naomi Zürcher (arbor aegis), einer renommierten Expertin für Stadtbäume.

Der Bereich um den Baum muss sowohl während der Massnahmen zur Rettung der Linde als auch danach abgesperrt werden. Die Arbeiten beginnen am Donnerstag, 23. März 2021 und dauern voraussichtlich bis zum 31. Mai 2021.

Aktuelles

DatumName

Zugehörige Objekte