Im Detail
Mit der Klima- und Energiestrategie hat sich die Stadt ambitionierte Ziele gesetzt. Unter anderem soll die Solarstromproduktion ausgebaut werden: Bis 2050 sollen auf Stadtgebiet Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von rund 180 Megawatt-Peak (MWp) installiert sein. Ende 2025 waren es 32.5 MWp.
Das Zwischenziel von 30 MWp für 2025 wurde damit zwar übertroffen, die Folgejahre bleiben jedoch anspruchsvoll. Denn statt bisher 4 MWp pro Jahr sind künftig 6 MWp vorgegeben. «Die aktuellen Zahlen sind ein erfreuliches Resultat der vielen Eigentümerschaften, die bereits investiert haben», sagt Umwelt- und Mobilitätsdirektor Marco Baumann. «Doch es braucht weiterhin den Einsatz von allen – von der Stadt wie von privaten, gewerblichen und genossenschaftlichen Eigentümerschaften.»
Vier Beispiele aus der Praxis
Wie unterschiedlich Sonnenenergie in der Stadt Luzern bereits heute genutzt wird, zeigen folgende Beispiele von verschiedenen Eigentümerschaften:
abl-Siedlung Breitenlachen 1 und 2:
«Unsere Solaranlagen produzieren jährlich rund 900’000 kWh. Das entspricht etwa dem Verbrauch von 250 Durchschnittshaushalten. Wir produzieren damit mehr Strom, als wir selbst benötigen. Der Zubau von Solarstrom ist Teil unserer strategischen Nachhaltigkeitsziele und leistet einen wichtigen Beitrag zum Ausstieg aus fossilen Brennstoffen. Auch unsere Mieterschaft profitiert direkt – mit einem tieferen Strompreis pro kWh.» Bruno von Flüe, Leiter Bau und Entwicklung, abl
- Anlagetyp: Beidseitige Steildachanlage
- Anlagegrösse: 4'542m2 auf 17 Gebäuden
- Gesamtleistung: 1'023 kWp
- Zirka jährlicher Stromertrag: 900'000 kWh
- Geschätzte Amortisationszeit: 15 Jahre
Mehrfamilienhaus mit Stockwerkeigentum Hubelmattquartier:
«Zuerst war ich skeptisch, ob sich eine Solaranlage für uns lohnt. Den Ausschlag gab der Batteriespeicher: So nutzen wir den tagsüber produzierten Strom auch abends, wenn alle Parteien zuhause sind. Für die Abrechnung nutzen wir das EVO-Modell von ewl. Es funktioniert ohne zusätzliche Messtechnik und mit der virtuellen EVO können auch Nachbarn im Quartier den überschüssigen Strom nutzen.» Jean-Pierre Grüter, Stockwerkeigentümer
- Anlagetyp: Beidseitige Steildachanlage
- Anlagegrösse: 150 m2
- Gesamtleistung: 94.9 kWp
- Zirka jährlicher Stromertrag: 30'600 kWh
- Geschätzte Amortisationszeit: 13 Jahre
Produktion Bäckerei Hug, Grossmatte:
«Wir verbrauchen für Produktion und Kühlung viel Energie. Den Ausschlag für unsere erste Solaranlage gab 2018 die Dachsanierung des Bürotrakts. Neu isoliert, wurde das Dach auch gleich mit Photovoltaik ausgestattet und 2025 weiter ausgebaut. In den Betriebs- und Produktionskosten macht die Energie einen kleinen Teil aus. Bei gleichbleibenden Strompreisen können wir beide Anlagen innerhalb von drei Jahren amortisieren. Und es ist lässig, sein eigenes Kraftwerk zu haben.» Stefan Hug, Verantwortlicher Infrastruktur, Bäckerei Hug
- Anlagetyp: Flachdachanlage
- Anlagegrösse: zirka 500 m2
- Gesamtleistung: 99 kWp
- Zirka jährlicher Stromertrag: 96'754 kWh
- Geschätzte Amortisationszeit: 3 Jahre
Plug-and-Play-Anlage Säntihof:
«Unsere Stockwerkeigentümergemeinschaft konnte sich bisher nicht zu einer gemeinsamen grossen Solaranlage durchringen. Für unsere Mini-PV-Anlage brauchten wir keine Zustimmung der anderen Parteien, sondern mussten sie nur informieren – da wir diese im eigenen Garten verbauen wollten. Auch die Anmeldung für die Förderung und bei der Energieversorgerin waren überraschend einfach.» Familie Wiget, Stockwerkeigentümerschaft
- Anlagetyp: Plug-and-Play
- Anlagegrösse: 5.1 m2
- Gesamtleistung: 1 kWp
- Zirka jährlicher Stromertrag: 500 kWh
- Geschätzte Amortisationszeit: 20–25 Jahre
Zum Thema Plug-and-Play-Anlagen: Auch Mieter*innen können solche Anlagen auf ihrem Balkon installieren.
Schlummerndes Potenzial
Viele Dächer und Fassaden in der Stadt bieten ungenutztes Solarpotenzial. Gerade Fassaden werden dabei oft übersehen, obwohl sich auch dort Solaranlagen mit geringem bürokratischem Aufwand realisieren lassen: Unter Einhaltung der Gestaltungsvorgaben genügt für die meisten Fassadenanlagen eine Baumeldung; eine Baubewilligung ist nur in speziellen Fällen erforderlich. Dank ihrer vertikalen Ausrichtung können Fassadenanlagen zudem gerade im Winter, wenn die Sonne tief steht, wertvolle Stromerträge liefern. Auch bei Dächern lohnt es sich, über die klassische Südausrichtung hinauszudenken: Wer die gesamte geeignete Dachfläche nutzt, erzielt insbesondere an weniger sonnigen Tagen eine höhere Eigenversorgung. Das gilt auch für Gebäude in Schutzzonen und für inventarisierte Bauten – sie sind ebenfalls zur Eigenstromerzeugung verpflichtet. Mit sorgfältig auf das Gebäude abgestimmten Lösungen lassen sich Denkmalschutz und Photovoltaik in der Regel gut miteinander vereinbaren.
Damit Eigentümerschaften das Potenzial ihrer Liegenschaften einfach beurteilen können, bietet die Stadt Luzern das kostenlose Energie-Coaching «Solar-Impuls» an. Dabei werden Dach und Fassaden bewertet. Ein Bericht liefert eine Grundlage, um Offerten für die Planung einer Solaranlage einzuholen.
Solaranlagen rechnen sich
Je nach Investitionskosten und Einspeisevergütung amortisieren sich Solaranlagen innert 20 Jahren. Mit einer intelligenten Steuerung kann der Eigenverbrauch zusätzlich optimiert werden (siehe Box). Anlagen lassen sich so bereits innert acht bis 15 Jahren amortisieren. Stadtrat Marco Baumann sagt: «Da die Lebensdauer von Solaranlagen meist mehr als 25 Jahre beträgt, erzielen sie während eines grossen Teils ihrer Betriebszeit Gewinn.» Zusätzlich verbessern Fördergelder die Wirtschaftlichkeit. Neben der Bundesförderung Pronovo (www.pronovo.chExterner Link wird in einem neuen Fenster geöffnet.) unterstützt auch die Stadt den Bau von Photovoltaikanlagen (www.stadtluzern.ch/photovoltaikanlagen). Der städtische Förderbeitrag wird zusätzlich zur Bundesförderung ausbezahlt und je nach Bauweise kommen seitens Stadt weitere Förderbeiträge dazu. Mit den neuen Modellen «vZEV» und «LEG» (siehe Box) können mehrere Wohnungen oder ganze Nachbarschaften gemeinsam den lokal produzierten Solarstrom nutzen. Dies erhöht den Eigenverbrauch ebenfalls, wodurch sich Anlagen noch schneller amortisieren.
Zur Veranschaulichung ein konkretes Projekt aus Luzern: Eine Solaranlage auf einem wertvoll begrünten Flachdach mit einer Fläche von 120 Quadratmetern und einer installierten Leistung von 20 kWp hat um die 50’000 Franken gekostet. Die installierte Leistung wurde von Bund und von der Stadt Luzern mit rund 11’000 Franken unterstützt. Von der Stadt wurden zusätzliche Boni für Extraleistungen beigesteuert: Die Ausführung mit Unterkonstruktion, welche die Begrünung nicht behindert und die für die Nachbarschaft blendarme Ausführung wurden noch mit 6’000 Franken gefördert. All diese Förderungen und der Batteriespeicher von 22 kWh Kapazität führen zu einer Amortisationsdauer von knapp 15 Jahren.
Aufgrund gesunkener Preise amortisieren sich Batteriespeicher häufig bereits durch den höheren Eigenverbrauch. Ob ein Förderprogramm für Batteriespeicher dennoch sinnvoll sein könnte, wird von der Stadt demnächst geprüft. Bereits gefördert werden Vorabklärungen zu den neuen gesetzlichen Möglichkeiten für Photovoltaikanlagen (Link siehe unten).
Umgang mit Überproduktion
Sommerliche Solarstromspitzen lassen sich durch bessere lokale Nutzung des vor Ort produzierten Solarstroms vermeiden: Sogenannte intelligente Steuerungen optimieren den Eigenverbrauch einer Liegenschaft. Die überschüssige Energie verteilt sich damit automatisch auf die grossen Energieverbraucher wie Boiler, Wärmepumpe, E-Auto-Ladung oder eigene Batteriespeicher.
Die lokale Nutzung von Solarstrom kann zudem durch drei Modelle weiter verbessert werden:
- Mit einem Zusammenschluss zum Eigenverbrauch (ZEV) können alle (Miet-)Parteien einer Liegenschaft vom eigenen Solarstrom profitieren.
- Der «virtuelle Zusammenschluss zum Eigenverbrauch» (vZEV) und die «Lokale Elektrizitätsgemeinschaft» (LEG) erlauben es ganzen Nachbarschaften, gemeinsam Solarstrom zu nutzen. Das lohnt sich für alle: Solarstrom von einer Anlage darf Mieter*innen nicht teurer verrechnet werden als ein vergleichbares Stromprodukt aus dem Netz.
Wichtige Links:
- Informationen zu Energie-Coaching Solar-Impuls:
www.stadtluzern.ch/solar-impuls - Informationen zur Förderung von Konzepten für vZEV und LEG:
ww.stadtluzern.ch/studien-konzepte - Alle Energie-Förderprogramme der Stadt Luzern:
www.stadtluzern.ch/foerderprogramme
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| Zwischenstand Solarausbau Medienmitteilung 21.09.2026 (PDF, 201 kB) | Download | 0 | Zwischenstand Solarausbau Medienmitteilung 21.09.2026 |