Seit über 20 Jahren setzt die Stadt Luzern auf Klimaschutz und eine nachhaltige Energieversorgung. Mit Annahme der Klima- und Energiestrategie 2022 hat sich die Stadtluzerner Stimmbevölkerung für ambitionierte Ziele bis 2040 und 2050 ausgesprochen. Diese Webseite zeigt die aktuelle Klima- und Energiebilanz.
Auswertungszeitraum 1990 bis 2024
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Aktuelles
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Die jährlich erstellte Klima- und Energiebilanz zeigt, ob die Stadt betreffend ihrer Ziele auf Kurs ist. Untenstehend finden sich Informationen samt Grafiken zu den wichtigsten fünf Zielen der städtischen Klima- und Energiestrategie.
2000-Watt-Gesellschaft und Primärenergie
Um ihre Bilanz zu berechnen und die Ziele zu überprüfen, orientiert sich die Stadt Luzern am Modell der 2000-Watt-Gesellschaft. Dieses Modell hat zum Ziel, dass jede Person im Durchschnitt höchstens 2000 Watt Leistung beansprucht. Dieses «Energie-Budget» entspricht beispielsweise der Leistung von etwa drei effizienten Staubsaugern, die dauerhaft laufen.
Das Modell rechnet nicht nur den direkten Verbrauch von Energie ein – zum Beispiel zum Heizen, zum Betrieb von Haushaltsgeräten oder zum Autofahren. Es wird auch berücksichtigt, wie viel Energie und Treibhausgase anfallen, um diese Energie überhaupt bereitzustellen. Das nennt man Primärenergie. Dabei berücksichtigt werden zum Beispiel auch die benötigte Energie für den Bau von Kraftwerken, Solaranlagen oder Stromleitungen. Ausserdem schliesst das Modell den internationalen Flugverkehr und dessen Kerosinverbrauch ein. Gemäss der 2000-Watt-Gesellschaft werden nur diejenigen Treibhausgasemissionen berücksichtigt, welche aus Energieanwendungen entstehen. Andere Treibhausgasemissionen, zum Beispiel aus der Abfallverbrennung, industriellen Prozessen oder der Methanausstoss von Kühen, werden nicht berücksichtigt. Die Stadt Luzern bilanziert also nur die energiebedingten Treibhausgase.
Ziel 1: Bis 2040 keine energiebedingten Treibhausgase mehr
Ob aus Öl- und Gasheizungen, Benzin- und Dieselmotoren oder Flugzeugtriebwerken: Die Schweizer Bevölkerung verursacht viel zu viel CO2 und andere klimaschädliche Treibhausgase. Die Stadt Luzern will mit gutem Beispiel vorangehen und solche energiebedingten Emissionen auf Stadtgebiet bis 2040 auf null senken.
2024 lagen die energiebedingten Treibhausgasemissionen bei 4,22 Tonnen CO2 pro Person und Jahr. Damit lagen die Emissionen insgesamt leicht über dem Vorjahr (siehe Abbildung 1). Das hängt damit zusammen, dass der Kerosinverbrauch aus dem Flugverkehr nach den Coronajahren 2021 und 2022 wieder ansteigt.
Über den ganzen Zeitraum betrachtet gehen die Emissionen jedoch zurück – gegenüber dem Jahr 2000 gar um rund 40 Prozent. Die bisher erreichten Einsparungen reichen jedoch nicht aus, um den ambitionierten Zielpfad einzuhalten. Zwischenzeitlich liegen die energiebedingten Treibhausgasemissionen um rund 0.9 Tonnen CO2eq über dem Ziel.
Insbesondere beim Heizen sind die Emissionen gesunken. Einerseits, weil immer häufiger statt mit Öl und Gas mit umweltfreundlicheren Alternativen wie Wärmepumpen oder Fernwärme geheizt wird. Andererseits, weil viele Gebäude besser isoliert sind und deshalb insgesamt weniger Energie verbrauchen. Die Emissionen aus diesem Bereich haben sich in den vergangenen 20 Jahren ungefähr halbiert.
Beim Verkehr (inklusive Fliegen) sind die Emissionen dagegen in den letzten Jahren nur leicht zurückgegangen. Während der Flugverkehr zunimmt, geht insbesondere die auf den Stadtluzerner Strassen verbrauchte Benzinmenge kontinuierlich zurück. Zunächst wurden Benzinfahrzeuge hauptsächlich durch Dieselfahrzeuge ersetzt. Inzwischen werden aber immer mehr Autos elektrisch angetrieben (siehe dazu Ziel 5).
In der Klima- und Energiestrategie ist auch ein separater Zielpfad für die Treibhausgasemissionen des Strassen- und Schienenverkehrs festgelegt. Diese Emissionen liegen zwischenzeitlich deutlich über dem Zielpfad. Verursacht werden sie hauptsächlich durch den Strassenverkehr.
Zwischenfazit: Der Ausstoss energiebedingter Treibhausgase konnte bereits merklich reduziert werden. Damit der angestrebte Zielpfad erreicht werden kann, müssen fossile Heizungen und Verbrennungsmotoren jedoch dringend durch erneuerbare Alternativen ersetzt werden. Auch muss die Anzahl Flüge reduziert werden.
Ziel 2: Bis 2050 den Primärenergieverbrauch auf 2000 Watt pro Person senken
Die Stadt Luzern will bis 2050 erreichen, dass jede Person im Durchschnitt nur noch 2000 Watt Primärenergie (siehe Box oben) verbraucht. Der Energieverbrauch muss reduziert werden, etwa für Heizung, Warmwasser, Strom oder für den Arbeitsweg (Auto, Bus, Zug). Erreicht werden soll das Ziel etwa durch bessere Gebäudeisolierung, effizientere Heizungen, sparsamere Geräte, sparsamere Mobilität und bewussteren Konsum.
Wie in der Grafik (Abbildung 2) ersichtlich ist, hat 2024 der Primärenergieverbrauch pro Kopf gegenüber dem Vorjahr leicht zugenommen. Dennoch sind die Verbrauchswerte auf Kurs: Mit 3’100 Watt pro Person liegt der aktuelle Leistungsbedarf deutlich unter dem Zielpfad.
Insgesamt ist der Primärenergieverbrauch seit 2019 um etwa einen Viertel zurückgegangen. Ein wichtiger Grund: Beim Strom fällt heute weniger Primärenergie an, unter anderem weil der Atomstromanteil (siehe Ziel 3) abgenommen hat. Atomstrom ist bezüglich Primärenergie ineffizient, weil die Produktion von Atomstrom sehr energieintensiv ist.
Die Klima- und Energiestrategie definiert zusätzlich einen Zielpfad für den Primärenergieverbrauch des Strassen- und Schienenverkehrs. Dieser Verbrauch lag 2024 bei rund 600 Watt pro Person und ist damit auf Kurs. Auch hier sind Elektrofahrzeuge von grossem Nutzen, weil Elektromotoren viel effizienter sind als Benzin- oder Dieselmotoren. Ebenso verbraucht der öffentliche Verkehr wesentlich weniger Energie als Autos.
Zwischenfazit: Luzern kann das 2000-Watt-Ziel erreichen, wenn der Umstieg auf nachhaltige Energie und Mobilität weiter vorangeht.
Ziel 3: Bis 2045 keinen Atomstrom mehr beziehen
2011 hat die Stadt Luzern den Atomausstieg per 2045 beschlossen. Auslöser waren die Nuklearkatastrophe von Fukushima und die ungelöste Entsorgungsfrage nuklearer Abfälle. Damals machte Atomstrom in Luzern noch rund 60 Prozent des Stromverbrauchs aus (siehe Abbildung 3). Die neusten Zahlen zeigen: Bis 2024 ist der Anteil Atomstrom auf rund 18 Prozent gesunken. Den wegfallenden Atomstrom hat Luzern bislang vor allem durch Wasserkraft ersetzt (heute rund 75 Prozent).
Ein wichtiger Grund für diese Entwicklung ist der schrittweise Ausstieg von ewl energie wasser luzern aus Atomstrom-Bezugsrechten. Seit 2020 bietet ewl für Privatkunden keine Atomstromprodukte mehr an. Dadurch ist der Atomstrom-Anteil besonders 2020 und 2021 deutlich gesunken. In Zukunft soll der verbleibende Atomstrom vermehrt durch lokal produzierten Solarstrom ersetzt werden (siehe Ziel 4).
Zwischenfazit: Die Entwicklung ist erfreulich. Sofern der Solarausbau wie gewünscht erfolgt, ist der Ausstieg aus dem Atomstrom bis 2045 zu schaffen.
Ziel 4: Bis 2050 Solarstrom stark ausbauen
Wenn zukünftig viel mehr Öl- und Gasheizungen durch Wärmepumpen und Verbrennungs- durch Elektromotoren ersetzt werden, braucht Luzern mehr Strom – und zwar aus erneuerbaren Quellen. Einen möglichst grossen Anteil davon will die Stadt Luzern auf ihrem Gemeindegebiet mit Solarstrom produzieren. Konkret: Bis 2050 soll die Solarstrom-Leistung in der Stadt Luzern auf 180 Megawattpeak (MWp) steigen. Das entspricht ungefähr der Fläche von rund 120 Fussballfeldern. Damit könnte Luzern etwa ein Drittel des heutigen Stromverbrauchs selbst produzieren.
Ende 2024 waren in der Stadt Luzern Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von 25.1 MWp installiert (siehe Abbildung 4). Dies entspricht bei heutigen Photovoltaikmodulen einer Fläche von etwa 17 Fussballfeldern. Mit dieser Leistung lassen sich knapp 6 Prozent des Stromverbrauchs der Stadt Luzern produzieren.
Zwischenfazit: Der Zubau von Photovoltaikanlagen hat sich merklich beschleunigt. Wenn diese Entwicklung anhält, kann das Ziel für 2050 erreicht werden.
Ziel 5: Bis 2040 sollen alle in Luzern angemeldeten Fahrzeuge klimafreundlich fahren
Bis 2040 sollen alle in der Stadt Luzern zugelassenen Fahrzeuge vollelektrisch und/oder erneuerbar angetrieben sein. Neben Strom kommen in Spezialfällen beispielsweise Wasserstoff oder Biodiesel für den Antrieb in Frage. Damit können die vom Verkehr verursachten Treibhausgase deutlich gesenkt werden.
Derzeit liegen erst Daten zur Antriebsart von Autos vor, nicht aber von Nutzfahrzeugen wie Lastwagen. Abbildung 5 zeigt: Die Zahl der in der Stadt Luzern zugelassenen Autos sinkt seit 2016 leicht – trotz wachsender Bevölkerung. Das bedeutet, dass viele Luzerner*innen öfters mit dem öffentlichen Verkehr, dem Velo oder zu Fuss unterwegs sind. Gleichzeitig steigt der Anteil an vollelektrisch und hybrid betriebenen Autos leicht, aber kontinuierlich. Dennoch fuhren 2024 noch immer rund 85 Prozent der Fahrzeuge mit Benzin oder Diesel.
Abbildung 6 zeigt Anzahl der jährlich neu zugelassenen Autos nach Antriebsart. Der Anteil an Autos mit alternativen Antrieben steigt. Sehr erfreulich: 2022 wurden erstmals mehr Autos mit alternativen Antrieben neu zugelassen als Fahrzeuge mit Benzin oder Diesel.
Zwischenfazit: Das Mobilitätsverhalten im Stadtverkehr wird nachhaltiger. Damit die angestrebten Ziele erreicht werden können, muss diese Entwicklungen aber noch deutlich beschleunigt werden.