der Bevölkerung und Fachpersonen die Vision Theaterwerkplatz Luzern. Bis im Januar gibt es verschiedene Möglichkeiten, aktiv mitzuwirken.
Von Romeo Degiacomi
Das Luzerner Theater ist ein kulturelles Herzstück von Stadt und Kanton Luzern mit einer überregionalen Ausstrahlung. Doch wie soll dieser Ort am Reussufer in Zukunft aussehen? Wie können das zukünftige Theatergebäude und sein Platz noch stärker als bisher zum Treffpunkt für die Bevölkerung werden? Und wie ist das Luzerner Theater in der Kulturlandschaft Luzerns eingebettet?
Diese Fragen stehen im Mittelpunkt des partizipativen Prozesses Vision Theaterwerkplatz Luzern.
Leitsätze als Basis für Mitwirkung
Der Mitwirkungsprozess basiert auf drei Leitsätzen, die von der Stadt Luzern vorgegeben wurden.Die Leitsätze definieren das Theatergebäude als prägenden, nachhaltigen Kulturort am linken Reussufer. Es wird harmonisch im Stadtbild eingebunden und als öffentlicher Treffpunkt weiterentwickelt. Gleichzeitig entsteht mit dem Theaterwerkplatz ein innovatives Kulturnetzwerk, in welchem das Luzerner Theater mit seinem Mehrspartenbetrieb eine zentrale Rolle einnimmt. Die Leitsätze bilden den roten Faden für die gemeinsame Arbeit.
Mehrstufiger Mitwirkungsprozess
Der Mitwirkungsprozess ist mehrstufig aufgebaut und beinhaltet verschiedene Formate, um möglichst viele Personen zu erreichen und Inputs zu erhalten: Neben Veranstaltungen vor Ort können Ideen, Wünsche und Visionen auch per Postkarte übermittelt werden. Es stehen auch digitale Fragebogen zur Verfügung, um sich einzubringen. Diese Inputs aus der Bevölkerung fliessen direkt in den Mitwirkungsprozess ein.
Verschiedene Mitwirkungsformate
Den Auftakt zum Mitwirkungsprozess bildeten elf Interviews mit ausgewählten Vertretungen aus Kultur, Architektur, Politik und Bevölkerung. Der öffentliche Startschuss fiel dann mit einer gut besuchten Kick-off-Veranstaltung im Luzerner Theater. Rund 150 Personen nutzten Ende August die Gelegenheit, sich über den geplanten Mitwirkungsprozess zu informieren und erste Ideen einzubringen. An drei Thementischen wurde zu Städtebau, Betriebsmodell und inhaltlicher Ausrichtung des Theaterwerkplatzes Luzern diskutiert.
Im Oktober waren Vertretungen unterschiedlicher Anspruchsgruppen zu moderierten Kleingruppen-Workshops eingeladen. Gemeinsam überprüften, diskutierten und ergänzten sie Thesen und Ideen aus den bisherigen Mitwirkungsformaten. Ziel war, gemeinsam erste Szenarien zu entwickeln.
Die Ergebnisse und Ideen aus den Kleingruppen-Workshops werden der Öffentlichkeit präsentiert: Alle Interessierten sind am 5. Dezember 2026 in die Kornschütte eingeladen, diese Szenarien zu spiegeln, kritisch zu diskutieren und weiterzuentwickeln. Im Januar 2027 werden die Szenarien in einem Grossgruppen-Workshop zusammengeführt, final diskutiert, und es werden erste konkrete Empfehlungen formuliert.
Umgang mit Ergebnissen
Die Ergebnisse und Auswertungen der Mitwirkungsformate werden auf der Projekt-Website www.theaterwerkplatz-luzern.ch transparent abgebildet. Am Ende fliessen sämtliche Ergebnisse aus den Mitwirkungsformaten in einen Abschlussbericht zuhanden der Politik ein. Das Ziel ist es, eine Vision Theaterwerkplatz Luzern zu entwickeln, die von der Bevölkerung getragen wird.
Zum einen geht es um die Gestaltung des Theatergebäudes und seines Platzes. Gemeinsam sollen sie einen Ort schaffen, der Kultur, gesellschaftlichen Austausch und urbanes Leben verbindet. Zum anderen steht die Entwicklung eines starken Theaterwerkplatzes Luzern im Mittelpunkt, der verlässliche Strukturen bietet, in denen sich verschiedene Kulturakteurinnen und -akteure und -institutionen vernetzen, austauschen und in neuen Formen zusammenarbeiten können.
«Gemeinsam antworten und Lösungen finden»
Interview: Romeo Degiacomi
Julia Sulzer, Architektin und Städtebauerin, und Marc Rambold, Kulturmanager, leiten gemeinsam den Mitwirkungsprozess zur Vision Theaterwerkplatz Luzern.
Warum braucht es eine Co-Leitung aus Städtebau und Kultur für dieses Projekt?
Julia Sulzer: Raum und Nutzung hängen zusammen. Über die reine Gebäudehülle zu sprechen, bringt uns genauso wenig weiter wie eine isolierte Diskussion über das Betriebsmodell. Beide Themen stehen in ständiger Wechselwirkung. Die Co-Leitung sorgt dafür, dass wir das zukünftige Theatergebäude, den Stadtraum, die öffentliche Nutzung und die kulturpolitischen Fragen von Anfang an als Einheit zusammendenken.
Marc Rambold: Diese Themen dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden, sondern müssen mit gleichwertigem Fokus bearbeitet werden. Unsere unterschiedlichen Perspektiven ermöglichen es, die verschiedenen Aspekte des Projekts bereits in der Entwicklungsphase der Vision zu berücksichtigen, Erkenntnisse zu diskutieren und zusammenzuführen.
Wie soll der Theaterwerkplatz in Luzern zukunftsfähig gestaltet werden, und wie wird die Bevölkerung in diesen Prozess einbezogen?
Marc Rambold: Das Theater der Zukunft soll gemeinsam erarbeitet und getragen werden von denjenigen, die den Theaterwerkplatz künftig mitgestalten, nutzen und weiterentwickeln. Eine flexible Kulturnutzung, ein zukunftsfähiger Theaterbetrieb, ein öffentlicher Raum mit hoher Aufenthaltsqualität, immer mit dem Ziel vor Augen, einen möglichst grossen Mehrwert für die Bevölkerung zu schaffen – das gehört zu einem erstrebenswerten Zielbild.
Julia Sulzer: Diese Fragen sollen aber im Detail mit der Bevölkerung und unter Einbezug von Expertinnen, externen Fachpersonen und Mitarbeitenden des Luzerner Theaters zur Diskussion gestellt werden, um gemeinsam Antworten zu finden und Lösungen zu erarbeiten, die ein mehrheitsfähiges Projekt zum Resultat hat.
Welche überraschenden Impulse und Themen gab es an der Kick-off-Veranstaltung?
Marc Rambold: Die Vielfalt der 150 Teilnehmenden – von Kulturschaffenden, Anwohnenden sowie Interessierten unterschiedlichen Alters und mit unterschiedlichen Hintergründen – zeigte eindrücklich, wie stark das Thema die Stadt bewegt. Besonders deutlich wurde der Wunsch, das Theater als lebendigen Begegnungsort zu gestalten: mit Räumen für Austausch und jenseits des Vorstellungsbetriebs.
Julia Sulzer: Die Diskussionen drehten sich intensiv um die Zukunft des Theaterplatzes, welche Funktionen er erfüllen und wie er mit dem Gebäude harmonieren soll. Gleichzeitig kristallisierten sich zentrale Fragen heraus: Wie kann der Bestand weiterentwickelt werden, sodass er den betrieblichen Bedürfnissen entspricht? Ist ein Neubau denkbar? Wie lässt sich das Betriebsmodell zukunftsfähig gestalten? Diese Punkte prägen die weitere Arbeit.
Wie stellen Sie sicher, dass möglichst alle Anspruchsgruppen gleichwertig gehört werden?
Marc Rambold: Auf die analogen und digitalen Mitwirkungsformate weisen wir auf unterschiedlichen Kanälen hin. So hängen in der ganzen Stadt Plakate und liegen Postkarten auf mit unserem Slogan «Sag es uns!». Zudem bewerben wir den Mitwirkungsprozess und dessen Formate auch auf Social Media und berichten auf unserer Projektwebsite umfassend und transparent aus dem Prozess. Interessierte erhalten damit jederzeit Einblick und können sich über den aktuellen Stand des Projekts ins Bild setzen.
Julia Sulzer: Damit wollen wir die Vielfalt von Meinungen und Ideen in den Prozess einfliessen lassen. Ob Post-it-Notiz, Workshop-Diskussion oder ausgefüllter Onlinefragebogen: Jede Rückmeldung wird dokumentiert und ausgewertet. Aus der Fülle der Einzelstimmen werden generelle Stossrichtungen entwickelt. Die Botschaft dahinter ist eigentlich ganz simpel: Diskutieren Sie mit, denn das Theater gehört uns allen.