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26. Oktober 2026
Es ist nicht zu spät, sich für das Klima einzusetzen: Davon ist der Satiriker Dominic Deville überzeugt. Deshalb engagiert er sich mit der aktuellen Kampagne «Bock auf Null» für die Stadt Luzern.

Von Natalie Ehrenzweig

Dominic Deville ist Luzerner mit Leib und Seele. Das mag erstaunen. Denn zum einen ist der Satiriker und Autor in München geboren und war schon sechs Jahre alt, als er in die Schweiz kam. Erst nach Horw, dann nach Kriens und später dann wirklich in die Stadt. Zum anderen wohnt er mit seiner Partnerin, der Schauspielerin Simone Kern, und ihren zwei Kindern im Teenager-Alter, seit 16 Jahren in Zürich, weil Luzern nach seinem Aufenthalt in Berlin von 2000 bis 2003 dann doch zu klein wurde. «Aber ich bin viel in Luzern», verrät er. So probt er hier mit seiner Punkband Failed Teachers, die im Frühjahr zum 25-Jahr-Jubiläum den aktuellen Tonträger herausgab.

Hier wohnen aber auch seine Eltern, der Bruder, das Göttikind und viele Freunde. «Jede Ecke ruft bei mir Erinnerungen hervor. Die Stadt ist klein genug, dass man gesehen wird.»

Mach’s-selber-Kultur

«Luzern war wie ein Spielplatz oder ein Labor, in dem ich mich ausprobieren konnte. Es gab eine Mach’s-selber-Kultur, in der wir etwa Ausstellungen oder Konzerte organisiert haben», erzählt er. Orte wie das Musikzentrum Sedel, das ehemalige Jugendhaus Wärchhof, die Kantonsschule Alpenquai oder die Reuss haben ihn geprägt, und hier wurde er zur Kindergartenlehrperson ausgebildet.

Gleichzeitig nerve ihn aber alles, was ihm gefalle: «Wenn ich meine Eltern besuche und aus dem Bahnhof in diese Postkartenidylle trete, ist es so schön, das halte ich manchmal fast nicht aus.»

Der 51-Jährige kommt auch nach Luzern, weil er Projekte für die Stadt macht. Früher hat er sich in Luzern etwa mit dem «Putztüüfeli» oder dem Klimaroulette an der Luga für die Umwelt engagiert. Die aktuelle Klimakampagne «Dumme Idee? Mach’s besser!» ist auch von und mit ihm (siehe Randspalte). «Ich hatte eine gute Idee, für die ich kämpfen musste. Aber das wird funktionieren. Mir gefällt, dass wir uns in den Clips nicht über die Klimasünder lustig machen. Und bis jetzt übertreffen die Reaktionen auf das erste Video die Erwartungen », freut er sich. Er glaube daran, dass wir das Ruder noch rumreissen können. «Ich darf nicht denken, dass es zu spät ist. Ich habe Kinder», betont er. Alle wüssten ja, was zu tun sei: «Ich verzichte aufs Fliegen und so gut es geht auf Fleisch.»

Humor als Gegenmittel

Als Satiriker bringt er die Menschen zum Lachen: «Ich will nicht wissen, wo Humor endet, sondern wo die Satire beginnt. Auch bei der Sendung ‹Deville› auf SRF 1 hat es bei Themen wie Corona, der Trump-Wahl oder dem Klimawandel Diskussionen gegeben, ob man darüber lachen kann», sagt er. Hass-Mails habe es sowieso gegeben. Doch gerade Humor könne das Gegenmittel bei Verzweiflung sein: «Ich kann ein Thema ohne Scheuklappen angehen und von einer anderen Seite betrachten.» Doch wo Humor nur noch schwarz und zerstörerisch ist, nimmt er ein paar Anläufe, bis er den passenden Winkel findet. Es komme immer auf den Kontext an.

Darum lässt der Satiriker auch das Jammern der Branche über die Cancel-Kultur nicht gelten. «Wenn jemand denkt, dass er immer noch die gleichen Witze machen kann wie früher, dann ist das Faulheit», meint er. Jede Kunstrichtung verändere sich: «Auch ich würde vieles heute anders machen als noch vor ein paar Jahren. Weil wir uns weiterentwickeln. Der Humor passt sich an, wird feiner, gröber, verzwickter, satirischer.»

Loriot und Gerhard Polt

Seit dem Ende von «Deville» ist er inzwischen wieder zwei Jahre mit seinem Programm «OFF!» unterwegs. Die Dernière fand Mitte Oktober in Luzern statt. «Mein Alltag ist sehr saisonabhängig», erklärt Dominic Deville. Im Moment sei er – neben dem Spielen – daran, das neue Programm zum Thema Zeit zu schreiben. Im März ist Premiere. «Im Prinzip bin ich Unternehmer. Wenn ich nichts tu, kommt auch kein Geld rein. Kunstschaffende müssen sich dauernd bewerben und um Aufmerksamkeit kämpfen. Um glaubwürdig zu sein, investiert man Herzblut», erzählt er.

Das tut er, indem er für sich und seinen Nachfolger Gabriel Vetter schreibt, an einem Buch rumstudiert oder ein Kinder- und Jugend-Hörspiel für SRF macht. Und dazwischen hat er auch Engagements wie das für die Stadt Luzern. «Man hangelt sich von Projekt zu Projekt. Das ist Fluch und Segen: Man steht morgens auf und kann bestimmen, was man tun will. Aber es gibt Tage, an denen ich froh wäre, würde mir jemand sagen, was ich zu tun habe.»

Neben Arbeit und Familie liest der 51-Jährige sehr gern. «Und Musik spielt eine wichtige Rolle – die Band, Konzerte oder in Plattenläden stöbern. Ich brauche das», betont er. Zudem gehe er andere Kunstschaffende schauen. Selbst sei er aber nicht jemand, der laut herauslache. Seinen Humor treffen Comedians der alten Schule wie etwa Gerhard Polt oder Loriot, aber auch Stahlberger, Lisa Christ oder Jane Mumford.

Eine Woche im Voraus planen

Vom Kindergartenlehrer zum Satiriker, das sei ein schleichender Prozess gewesen. «Ich habe schon bevor ich im Kindergarten gearbeitet habe, immer sehr viel Unterschiedliches gemacht: DJ, Moderation, Bands, dazu heute auch Satiriker, Autor von Kolumnen, Werbetexten, Konzepten. Viele Bühnenkunstschaffende von Patti Basler, Divertimento, Mani Matter bis Franz Hohler haben den Lehrberuf gewählt. Das ist kein Zufall.»

Als er Vater wurde, habe er sich fokussiert und mit seinem ersten Programm «Der Kinderschreck» alles auf die Karte Satire gesetzt. Inzwischen werden so viele spannende Projekte an ihn herangetragen, dass es sehr schwierig für ihn ist, Nein zu sagen. Ein Genre auszuwählen, das er am liebsten hat, gelinge ihm nicht, «aber ich stürze mich gern ins kalte Wasser».

Zwar steckt Dominic Deville mitten in der Arbeit für das nächste Programm, in die Zukunft schaut er ungern, seine Zeit plant er nur eine Woche im Voraus. «Die Premiere am 19. März 2027 in Zürich ist gesetzt. Dazwischen nehme ich ganz viele Aufträge nicht an. Trotzdem gibt es noch ein paar Konzerte mit der Band, ein Buch will noch geschrieben werden, das Hörspiel muss nächstes Jahr fertig werden, und ich kuratiere zwei Abende zum 60-Jahr-Jubiläum des Kleintheaters.»

Von der Kindergartenlehrperson zum Kinderschreck: Dominic Deville ist auf vielen Bühnen zu Hause. Zur Stadt Luzern pflegt er eine Hass-Liebe: «Wenn ich meine Eltern besuche und aus dem Bahnhof in diese Postkartenidylle trete, ist es so schön, das halte ich manchmal fast nicht aus.»

Klimaschutzkampagne «Bock auf Null»
Devilles «Dumme Idee? Mach’s besser!» gehört zur Klimaschutzkampagne «Bock auf Null». Die Kampagne setzt beim eigenen Handlungsspielraum an. Es sind zwar oft nicht riesige Mengen an Treibhausgasen, die wir als Einzelne mit unserem Handeln einsparen können. Aber jeder Effort trägt zu einem besseren Klima bei. Mehr Infos unter: www.klimaluzern.chExterner Link wird in einem neuen Fenster geöffnet.

Energiestadt Gold
Bereits zum fünften Mal wurde die Stadt Luzern diesen Herbst mit dem «European Energy Award Gold» ausgezeichnet. Das Energiestadt-Label ist ein Arbeits- und Qualitätsinstrument. Es zeigt auf, wo die Stadt steht, welche Fortschritte erzielt wurden und wo Handlungsbedarf besteht. Umwelt- und Mobilitätsdirektor Marco Baumann betont: «Die erneute Gold-Auszeichnung zeigt, dass sich Luzern seit vielen Jahren konsequent für die Energiewende engagiert. Sie ist für uns aber kein Schlusspunkt: Mit unserer Klima- und Energiestrategie haben wir uns anspruchsvolle Ziele gesetzt, an deren Umsetzung wir konsequent weiterarbeiten.» Unter anderem sollen die energiebedingten Treibhausgasemissionen bis 2040 auf null gesenkt werden.

Zum Dank gibt’s feine Marroni
Am Samstag, 14. November 2026, offeriert die Stadt Luzern auf dem Theaterplatz von 9 bis 12 Uhr gratis eine kleine Portion Marroni – für alle, die sich fürs Klima und die Energiewende einsetzen. Wer mag, spielt eine Runde Klimapoker und gewinnt mit etwas Glück einen Preis.

 

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