Von Ueli Bischof
Er ist Herr über Tausende von Türen. Türen, die in Operationssäle, Patientenzimmer, Technikräume oder die Küche führen. Für die Sicherheit dieser Spitalinfrastruktur sorgt Michael Hauser, Leiter Sicherheit und Intervention am Luzerner Kantonsspital. Gleichzeitig trägt er die Gesamtverantwortung für den Schutz von Patientinnen und Patienten, Mitarbeitenden und Besuchenden.
«Manchmal werden wir von der Pflege oder der Ärzteschaft gerufen, wenn es zu Konflikten mit Patienten oder Angehörigen kommt», erklärt Hauser. «Doch oft zeigt sich, dass es sich einfach um Missverständnisse handelt. Und da kann es schon helfen, wenn eine Person von aussen in Uniform dazukommt, um die Situation zu beruhigen.» Im Spital kämen viele Schicksale zusammen. «Das Leben ist hier verdichtet», sagt Hauser. Das zeigt sich bereits beim Haupteingang, der ersten grossen Drehscheibe des Spitals: Ein Mann mit Gehhilfe verlässt das Gebäude. Vor dem Eingang zieht eine Primarschulklasse plaudernd vorbei, daneben steht ein Polizeifahrzeug. Weshalb, bleibt offen. Angehörige treten durch die Drehtüre ins Spital.
Eine Besuchssituation ist Michael Hauser besonders in Erinnerung geblieben: «Ich wurde in ein Zimmer gerufen, um die Empfindlichkeit des Rauchmelders anzupassen. Es war der letzte Wunsch eines Patienten, nochmals ein Fondue zu essen.» Nach solchen Situationen sucht Hauser kurz Ruhe. Zum Beispiel bei einem Kontrollrundgang ganz oben auf dem Helikopterlandeplatz.
Von hier oben lässt sich das ganze Spitalareal überblicken. «Es ist so gross wie die Altstadt und die Kleinstadt Luzern zusammen», sagt Roland Schwilch. Der Architekt leitet am LUKS die Projektentwicklung Bau. Seit 2015 arbeitet er an der Erneuerung des Spitalareals. Gut zu sehen sind von hier auch das neue Kinderspital und die Frauenklinik, die im September 2026 eingeweiht wurden.
Die Stadt verändert sich
Die beiden Neubauten sind erst der Anfang. «Ein Spital ist nie fertig gebaut», sagt Schwilch. Viele Bauten stammen aus den 1970er-Jahren und genügen den heutigen Anforderungen nicht mehr. Auf dem dicht bebauten Areal fehlt jedoch der Platz für Neubauten. Deshalb wird etappenweise erneuert.
Als Nächstes soll auf dem Areal des bisherigen Kinderspitals und des Parkhauses für Besuchende das Ambulante Zentrum mit Sprechstunden, Therapien und Notfallpraxis entstehen. Es wird direkt von der Spitalstrasse her zugänglich sein. Danach folgt östlich des heutigen Hochhauses das neue Stationäre Zentrum für Patientinnen und Patienten, die im Spital bleiben müssen. Es ersetzt das heutige Spitalzentrum, den sogenannten «Schoggiturm». Ob dieses wie ursprünglich vorgesehen rückgebaut wird, wird derzeit geprüft (siehe Box).
Die Veränderungen reichen über das Spitalareal hinaus. «Das LUKS nimmt einen zentralen Platz in unserem Quartier ein», sagt Gisela Meisen-Nussbaum vom Präsidium des Quartiervereins Luegisland. Der Verein schätzt das Spital als langjährigen Partner, spricht mit ihm aber auch über Stau auf der Spitalstrasse und Helikopterlärm. Von der geplanten Öffnung zur Spitalstrasse erhofft sich das Quartier «eine neue Lebendigkeit in diesem Bereich».
Ein Spital wächst zusammen
«Die Raffinesse dieser Entwicklung liegt eigentlich im Untergrund», erklärt Schwilch. Oberirdisch sollen Kinder- und Frauenklinik, Ambulantes und Stationäres Zentrum bewusst als eigenständige Häuser erscheinen. Für jedes Projekt gibt es eine eigene architektonische Sprache. «Die Gebäude sollen nicht wie typische Spitalbauten wirken», sagt Schwilch. Unter der Oberfläche dagegen wachsen die Häuser funktional zusammen. Zwei gemeinsame medizinische Plattformen verbinden die drei Neubauten: eine für Operationen, die andere für Diagnostik und Radiologie.
Das verkürzt Wege und verändert die Arbeitsweise. «Früher waren die einzelnen Fachgebiete weitgehend eigenständig organisiert», sagt Schwilch. «Jedes hatte sein eigenes Sekretariat und eigene Pflegeteams. » Solche gewachsenen Strukturen liessen sich nicht einfach verändern. Gemeinsam mit den Mitarbeitenden seien deshalb neue Prozesse entwickelt worden. «Am Ende haben die Nutzenden den Change selbst erarbeitet.» Was das künftig bedeutet, zeigt sich für Schwilch besonders im Operationsbereich. Die sterilen Zonen der verschiedenen Zentren sollen miteinander verbunden sein. «Wenn es am Abend ruhiger wird, kann ein Operateur nochmals einen Eingriff vornehmen, ohne den sterilen Bereich verlassen zu müssen.» So lasse sich Personal auch über die Grenzen der einzelnen Zentren hinweg einsetzen. «Entscheidend ist, dass es am Schluss als Gesamtsystem funktioniert.»
Im Untergrund
Schon heute sind die Gebäude unterirdisch verbunden. «Fast drei Kilometer lang ist das Tunnelsystem», erklärt Michael Hauser während der Liftfahrt vom Dach in die Tiefe. Durch breite Gänge eilen Mitarbeitende, Spitalbetten werden verschoben, Logistikwagen bringen frische Wäsche. Proben sausen per Rohrpost durchs Spital. Vieles davon bleibt Patientinnen, Patienten und Besuchenden verborgen.
Wieder draussen, auf der Rückseite des «Schoggiturms», zeigt Hauser die zweite Drehscheibe des Spitals. Dort fahren Rettungswagen vor, Waren werden angeliefert, Abfälle entsorgt. Ein paar Schritte weiter bleibt er bei der Entsorgung stehen und sagt ausgerechnet hier: «Das ist mein LUKS.» Zwischen Containern blickt er hinauf zum Hochhaus, daneben liegen das Notfallzentrum mit der Intensivstation und die Spitalpharmazie. «Hier kommen medizinische Versorgung und vieles von dem zusammen, was sie erst möglich macht.»
Dann führt der Weg zurück durch lange, verwinkelte Gänge in sein Büro. Michael Hauser öffnet einen kleinen Tresor und legt den Master Key hinein. Der Schlüssel, der ihm Zugang zu Tausenden von Türen verschafft, verschwindet hinter einer letzten Tür.
Was wird aus dem «Schoggiturm»?
Nach dem bisherigen Plan soll das heutige Spitalzentrum nach dem Bau des neuen Stationären Zentrums rückgebaut werden. An seiner Stelle wäre zunächst ein temporärer Park vorgesehen. Ob es tatsächlich dazu kommt, ist jedoch offen: Aufgrund eines politischen Auftrags lässt das LUKS derzeit auch eine befristete Weiternutzung des Hochhauses prüfen. Eine externe Studie vergleicht verschiedene Varianten mit dem temporären Park. Untersucht werden unter anderem bauliche Machbarkeit, Kosten, Marktfähigkeit, Biodiversität und graue Energie. Voraussetzung ist, dass eine Zwischennutzung den Spitalbetrieb und die weitere Arealentwicklung nicht beeinträchtigt.