Interview: Simon Rimle
Hat Sie der Film «Überrannt» überrascht, Frau Bitzi?
Nein. Der Film zeigt Themen, die uns seit Jahren beschäftigen. Luzern ist ein sehr attraktives Reiseziel. Das freut uns.
Gleichzeitig wissen wir aufgrund von zwei Bevölkerungsbefragungen gut, wo der Schuh drückt. Wir nehmen diese Rückmeldungen sehr ernst und wollen eine gute Balance zwischen Lebensqualität und Tourismus finden.
Wo spüren die Menschen den Druck am stärksten?
Vor allem an stark frequentierten Orten wie dem Schwanenplatz oder in der Altstadt. Dort kommt es zeitweise zu hohen Besucherfrequenzen mit Auswirkungen auf die Bevölkerung. Diese Situationen wollen wir möglichst entschärfen und die Aufenthaltsqualität für alle verbessern.
Wie wollen Sie das erreichen?
Mit der «Vision Tourismus Luzern 2030» hat die Stadt Luzern vor vier Jahren die Strategie verabschiedet. Ziel ist nicht möglichst viel Tourismus, sondern ein qualitativ hochwertiger und verträglicher Tourismus.
Wir sind daran, gemeinsam mit touristischen Partnerbetrieben, Branchenvertretungen und der interessierten Bevölkerung diese Strategie umzusetzen.
Was bedeutet das konkret?
Wir haben im Herbst 2022 mit der Umsetzung der Vision begonnen. Einiges ist schon umgesetzt, zum Beispiel diverse Projekte, die auf eine bessere Besucherlenkung abzielen: So steuern wir heute die Reisebusse mit einem
neuen Regime gezielter an geeignete Standorte. Auch wird aktuell das touristische Wegleitsystem überarbeitet, das den Gästen eine einfachere Orientierung in der Stadt bieten soll. Zudem ist uns der laufende Dialog mit der Bevölkerung wichtig. Unter anderem nehmen wir am Tag der offenen Hoteltüren «Please Disturb» teil und laden an der Zentralschweizer Frühlingsmesse Luga zum Dialog mit Tourismusverantwortlichen ein.
Wie wichtig ist der Tourismus für Sie?
Tourismus ist wichtig für Arbeitsplätze, Wertschöpfung und die internationale Ausstrahlung Luzerns. Gleichzeitig soll unsere Stadt ein lebenswerter Ort bleiben. Auch soll Reisen nachhaltiger werden. Das Ziel ist, dass Luzern auch in Zukunft für Gäste und für die Bevölkerung gleichermassen attraktiv bleibt. Entscheidend
sind der offene Dialog untereinander und die gute Zusammenarbeit aller Beteiligten. Das ist mir sehr wichtig und ich bin sehr dankbar, dass es so ist.