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24. August 2026
Der Staffelnhof: einst ein Gehöft, dann Teil einer städtebaulichen Vision und heute ein Begegnungsort. Im September 2026 feiert Viva Luzern Staffelnhof das 50-jährige Bestehen des Alterszentrums. Zeit fur einen Blick zurück.

Von Robert Bossart

Wer den Viva Luzern Staffelnhof von aussen betrachtet, sieht ein grosses, buntes Gebäude. Je mehr man sich dem Alterszentrum nähert, desto deutlicher wird, wie viel Leben hier stattfindet. Rund ums Gebäude spazieren Eltern mit ihren Kindern, ebenso sind Betagte mit ihren Angehörigen auszumachen. Noch mehr los ist drinnen. Das Restaurant Aquarello ist gut besucht, es wird Kaffee getrunken, gejasst und geplaudert. Viele sind hier zu Hause, einige besuchen ihre Liebsten. Andere wohnen in der Nachbarschaft und schauen vorbei, etwa die 69-jährige Maria Elmiger. «Der Staffelnhof ist ein Teil unseres Quartiers, er ist für viele ein Treffpunkt», sagt sie. Genauso wie die Migros gehöre das Haus einfach zum Leben. Immer mal wieder trifft sie sich hier auf einen Schwatz mit einer Kollegin. Früher lebten bis zu deren Tod ihre Eltern im Haus, später besuchte sie regelmässig ihre Schwiegermutter. «Ich war auch oft mit den Grosskindern hier, die damals vor allem Freude am Tierpark hatten», sagt Maria Elmiger.

Viele Nutzungsmöglichkeiten

Nicht nur sie, auch viele andere Quartierbewohnerinnen und -bewohner nützen das Alterszentrum, bestätigt sie. «Man kann ein Geburtstagsfest veranstalten, der Quartierverein trifft sich hier und es gibt viele andere Nutzungsmöglichkeiten. Als meine Eltern nicht mehr selbstständig wohnen konnten, war es ihnen sehr wichtig, dass sie im Quartier bleiben konnten. Der Staffelnhof ist für viele ein Stück Heimat.»

Die 97-jährige Maria Koller sieht das ähnlich. Seit sieben Jahren wohnt sie im Alterszentrum, vorher lebte sie nur wenige Meter vom Viva Luzern Staffelnhof entfernt in einer Wohnung. Sie sei die älteste noch lebende «währschafte» Reussbühlerin, sagt sie stolz. «Es ist gäbig, dass alles so nah ist. Manchmal, wenn meine Beine es zulassen, gehe ich in die Migros rüber für einen kleinen Einkauf.» Obwohl sie lieber selbstständig leben würde, dies aber aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr kann, gefällt es ihr im Viva Luzern Staffelnhof. «Der Staffelnhof ist meine zweite Heimat geworden.»

Der Staffelnhof ist in den 1960er-Jahren auf dem Reissbrett entstanden und 1976 eröffnet worden. Zum 50-Jahr-Jubiläum lädt Viva Luzern Staffelnhof ins Alterszentrum auf Ruopigen ein.

Älterwerden im Quartier

Solche Äusserungen freuen Roger Meier, Betriebsleiter des Betagtenzentrums. «Auch wenn hier 175 Menschen leben, bleibt der Alltag persönlich. Wir kennen die Bewohnenden mit ihrer Geschichte, ihren Gewohnheiten und dem, was ihnen wichtig ist. Das macht den Viva Luzern Staffelnhof lebendig, farbig und eng mit dem Quartier verbunden.»

Die Grundidee von damals sei bis heute aktuell, fügt er an. «Ältere Menschen gehören mitten ins Leben – dorthin, wo Beziehungen, vertraute Wege und Alltag sind. Der Staffelnhof verbindet Sicherheit und Unterstützung mit Zugehörigkeit, Selbstbestimmung und Leben im Quartier.»

Maria Koller lebt seit sieben Jahren im Staffelnhof. Dass sie sich hier wohl fühlt, freut Betriebsleiter Roger Meier.

Vorbildlicher urbanistischer Entwurf

Tatsächlich steht das auffällige Gebäude im Zusammenhang mit einer städtebaulichen Vision aus den 1960er-Jahren. In der Erwartung, dass die Bevölkerung massiv zulegen würde, plante die Gemeinde Littau ein neues Areal zwischen dem Dorfzentrum Littau und Reussbühl. Das Konzept des Architekten Dolf Schnebli wurde 1964 als «vorbildlicher urbanistischer Entwurf» an der Expo in Lausanne ausgestellt. Geplant waren Wohnungen, ein Verwaltungszentrum, Schulhäuser, Kirchen, ein Geschäftszentrum und Restaurants.

Obwohl das Gesamtprojekt redimensioniert und der Planungskredit für das Alters- und Pflegeheim in einem ersten Anlauf von der Bürgerschaft sogar abgelehnt wurde, konnte der Staffelnhof schliesslich realisiert und 1976 eröffnet werden. Unter dem Baukomplex befindet sich eine Tiefgarage, so besteht rund um das Gebäude Platz für Zufussgehende und damit Raum für Begegnungen. Das ursprünglich in drei Auberginentönen gehaltene und heute bunt gefärbte Gebäude wurde zwischen 2011 und 2013 erweitert. Im Rahmen der Modernisierung erhielten alle Zimmer im Altbau eigene Nasszellen. Die Zimmer im Neubau ergänzen das Wohnangebot um grosszügigere Wohneinheiten. «Wir setzen verstärkt auf Wohnlichkeit und Lebensqualität. Wir gestalten ein Daheim für unsere Bewohnenden», fasst es Roger Meier zusammen.

Einer, den im Haus fast alle kennen und der seinerseits fast alle beim Namen nennt und freundlich begrüsst, ist Rico De Bona. Der 69-Jährige war massgeblich beteiligt an der Weiterentwicklung des Alterszentrums. Als ehemaliger Sozialvorsteher der damaligen Gemeinde Littau kennt er den Staffelnhof wie kaum ein anderer. «Anfangs haben wir im Rahmen der Jugendarbeit Filmabende organisiert. Schon damals zeigte sich, dass das Haus ein Begegnungsort für Jung und Alt ist.» Dies sei schliesslich auch von Beginn an im Grundkonzept festgelegt worden. Es gab eine Arztpraxis, und die Physiotherapie, die Spitex, ein Coiffeur und die Mütterberatung waren hier untergebracht. Heute ist das eine oder andere verschwunden, geblieben ist aber die Betriebsamkeit. «Über Mittag kommen die Leute aus der städtischen Informatikabteilung, die in der Nähe ihre Räumlichkeiten haben, und Lehrpersonen aus der Kantonsschule Rothen trifft man hier an.»

Die Durchmischung macht den Reiz aus

Rico De Bona schwärmt von der Lebendigkeit des Zentrums. «Es gibt Konzerte, Theateraufführungen, Personalfeste, Lotto-Abende. Hier fanden Kommissions- und Einwohnerratssitzungen statt, Firmenjubiläen, Angehörigenanlässe, Bewohnerveranstaltungen und, und, und.» Eine wichtige Funktion erfüllt der Gottesdienst, bei dem sich jeden Samstagnachmittag zwischen 60 und 80 Personen treffen. «Manche trinken davor oder danach noch etwas und so finden viele schöne Begegnungen zwischen Menschen aus dem Quartier, Bewohnerinnen und Bewohnern des Hauses und deren Angehörigen statt. Diese Durchmischung macht den besonderen Reiz des Staffelnhofs aus.»

Rico De Bona, alt Gemeinderat von Littau, kennt fast alle Bewohnenden, und viele im Staffelnhof kennen ihn.

 

Grosse Feier fürs Staffelnhof-Jubiläum

Vor 50 Jahren wurde das Alterszentrum Staffelnhof im heutigen Stadtteil Reussbuhl eroffnet. Seit 2010 gehort es zu Viva Luzern, 2013 erfolgte eine umfassende Erweiterung. Heute bietet das Haus Platz fur über 175 Bewohnende; über 230 Mitarbeitende begleiten, betreuen und pflegen die Bewohnenden in ihrem Alltag. Am Sonntag, 13. September, wird das Geburtstagsfest "50 Jahre Staffelnhof" auf dem Staffelnhof-Areal gefeiert (10 bis 17 Uhr). Der Anlass ist offentlich, es gibt musikalische Unterhaltung, ein abwechslungsreiches Programm fur Gross und Klein sowie kulinarische Angebote.

 

10 Jahre Vicino Luzern

Ebenfalls Geburtstag feiert Vicino Luzern. Als Netzwerk und Verein ermoglicht es alteren Menschen, moglichst lange selbstbestimmt und sicher in der gewohnten Umgebung zu leben. Was vor 10 Jahren als innovative Idee begann, ist heute ein bewahrtes Netzwerk mit funf Standorten in der Stadt und uber 60 Partnerorganisationen. Das Modell ≪Aging Together≫ verbindet Gesundheitsforderung, soziale Teilhabe, Wohnen, Dienstleistungen und Nachbarschaftshilfe zu einem ganzheitlichen Ansatz. Ziel ist es, altere Menschen fruhzeitig zu begleiten, ihre Selbsthilfe zu starken und ein tragfahiges Netzwerk im Quartier aufzubauen. Im letzten Jahr wurden uber 30’000 Besuche gezahlt. Ein Indiz dafur, wie wichtig soziale Nahe, Vertrauen und unkomplizierte Hilfe im Alltag sind.

 

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Stadtmagazin 2/2026