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Ein Film über Stadtplanung am Beispiel Luzerns warf in den 1970er-Jahren hohe Wellen. Nun ist er als «Archivperle» auf Play SRF online abrufbar.

Der gut 50minütige Film «Tatort Luzern oder wem gehören unsere Städte?» war 1974/75 von Fernsehen DRS produziert und am 21. August 1975 ausgestrahlt worden. Die Filmemacher Karl Saurer und Gerhard Camenzind sowie Architekt Claus Niederberger beschäftigen sich darin mit dem Thema Stadtplanung rund um die Fragen von Wohnraum, Verteilung von Arbeitsplätzen, Individualverkehr und Bahnhofstandort sowie dem Einbezug der Bevölkerung in diese Fragen.

Der Film wurde bereits vor der Ausstrahlung und noch viel intensiver danach in Artikeln und Leserbriefsparten thematisiert. Damit wurde eine Debatte zu städtebaulichen Themen lanciert. Dies war von Anfang an das erklärte Ziel der Filmemacher: «Wir erachten es (...) als notwendig, dass über diese Fragen auf breiter Basis diskutiert wird, und wir sehen diesen Film als Anstoss zum Gespräch zwischen Planern, Politikern und dem Volk.» Dazu lud das Fernsehen am 10. September 1975 zu einem Podiumsgespräch mit geladenen Experten und der Luzerner Bevölkerung ins Hotel Union ein. Der Andrang war gross, es kamen über 500 Personen. Die Diskussion am Abend spät wurde live im Fernsehen übertragen. Leider ist von diesem öffentlichen Anlass keine Aufzeichnung erhalten geblieben.

Knapp zwanzig Jahre später schrieb Beat Mugglin in der Publikation «Die Bodenpolitik der Stadt Luzern» (1993) zum Film: «Mitte der siebziger Jahre verursachte eine Sendung des Schweizer Fernsehens über die Stadt Luzern, die sich vor allem mit den Zuständen im Tribschenmoos befasste, einigen Wirbel. Natürlich hatten die Exponenten aus Wirtschaft und Politik an den vorgebrachten Vorwürfen wenig Freude. Aber im Tribschenmoos sind oft genug kurzsichtige Weichenstellungen erfolgt, engstirnige Interessen vertreten und mannigfaltige Versäumnisse passiert, sodass viele der 1975 in dieser Sendung gefallenen polemischen Wort aus heutiger Sicht im Kern zutreffen. Seitdem hat die Stadt zusammen mit anderen Institutionen für den vorderen Rand des Tribschenmooses – den Alpenquai – einen recht erfreulichen Weg zu einer Neugestaltung beschritten. Ob das dahinter liegende Gebiet auch je einer vernünftigen Nutzung zugeführt werden kann, muss leider mit einem grossen Fragezeichen versehen werden.» (S. 182/183). Seit diesem Statement sind bereits wieder mehr als dreissig Jahre vergangen, im Tribschenquartier hat sich seither einiges getan.

Der Film «Tatort Luzern oder wem gehören unsere Städte?» ist neuerdings online auf der Plattform Play SRF zu sehen:
Tatort Luzern - oder wem gehören unsere Städte? (1975) - Archivperlen - Play SRFExterner Link wird in einem neuen Fenster geöffnet.. Er ist heute über die ursprüngliche Intention hinaus in verschiedenster Hinsicht sehenswert. Aus der Fülle an Zeitungsartikeln zu Film und Podiumsdiskussion hat das Stadtarchiv aus der Presseschau der Baudirektion fünf zu einem Pdf zusammengefasst, das sich hier herunterladen lässt. Die Publikation von Beat Mugglin («Die Bodenpolitik der Stadt Luzern», 1993) kann beim Stadtarchiv bezogen werden.

v.l.n.r.: Gerhard Camenzind und Karl Saurer (Fernsehen DRS), Claus Niederberger (Architekt), Werner Geissberger (Ökonom), Moderator Lucius Burckhardt (Soziologe), Felix Willi (Regierungsrat), Matthias Luchsinger (Stadtrat), Alfred Etterlin (SBB), Hans-Ueli Remund (Regionalplaner). Blick vom Podium in den vollen Saal des Hotels Union (an der Löwenstrasse 16, heute Geschäftshaus). Gemäss Zeitzeugen mussten im Hotel Union aufgrund des grossen Andrangs schleunigst weitere Tische und Stühle herbeigeholt werden.