Im Detail
Radikalisierung, Extremismus und Diskriminierung werden zunehmend als gesellschaftliche Herausforderung wahrgenommen. Fachpersonen beobachten, dass entsprechende Entwicklungen schneller verlaufen und immer öfter jüngere Jugendliche betreffen. Prof. Dr. Dirk Baier, Leiter des Instituts für Delinquenz und Kriminalprävention an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, beleuchtete in seinem Referat zentrale Erkenntnisse aus der Forschung. «Radikalisierung ist auch in der Schweiz ein zunehmendes Problem und ein komplexer Prozess, der von vielfältigen Faktoren beeinflusst wird», erklärte er.
Radikalisierungsprozesse entstehen häufig im Zusammenhang mit gesellschaftlichen Spannungen, Ausgrenzungserfahrungen oder fehlender Teilhabe. Entscheidend ist deshalb, Entwicklungen früh zu erkennen und geeignete Unterstützungsangebote bereitzustellen.
Prävention beginnt im Alltag
Judith Bühler, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der ZHAW, ergänzte die theoretischen Grundlagen mit praxisnahen Handlungsperspektiven. Die Stärkung von Schutzfaktoren, der Abbau von Risikofaktoren und die gesellschaftliche Integration leisten dabei einen wichtigen Beitrag zur Prävention. Zu den Aufgaben der Kinder und Jugendhilfe gehören die Unterstützung von Jugendlichen in belastenden Lebenssituationen sowie die Zusammenarbeit mit Schulen, Familien und weiteren Institutionen. «Frühzeitige Prävention ist nur möglich, wenn Fachpersonen im Alltag Anzeichen von Radikalisierung erkennen und gezielt intervenieren können. Dabei geht es nicht nur um akute Krisen, sondern auch um die Förderung von sozialen Kompetenzen und Resilienz», erklärte Christina Reusser, Bereichsleiterin der Kinder- und Jugendhilfe.
Austausch zwischen Praxis, Forschung und Verwaltung
Die halbtägige Fachtagung im Auditorium am Inseliquai in Luzern bot neben den Referaten auch ein Podiumsgespräch mit Fachpersonen aus Praxis und Forschung. Auf dem Podium diskutierten Prof. Dr. Dirk Baier und Judith Bühler von der ZHAW, Serena Gut, Leiterin der Fachstelle Extremismus und Gewaltprävention der Stadt Winterthur, sowie Alex Ehliger, Schulsozialarbeiter der Stadt Luzern. Sie sprachen über Herausforderungen aus ihrem Arbeitsalltag und zeigten auf, welche Unterstützung Fachpersonen im Umgang mit radikalisierten Jugendlichen benötigen. «Die Fachtagung soll Fachpersonen darin stärken, Radikalisierung frühzeitig zu erkennen und im Berufsalltag sicher und wirksam darauf zu reagieren», führte Christina Reusser, Bereichsleiterin der Kinder- und Jugendhilfe weiter aus.
Die Stadt Luzern bietet Unterstützung
Die Abteilung Kinder Jugend Familie der Stadt Luzern ist das städtische Fachzentrum für Kinder-, Jugend- und Familienfragen. Sie bietet ein umfangreiches, kostenloses Unterstützungsangebot zur Alltagsbewältigung an und leistet individuelle Hilfe in Krisen oder Notlagen. Bei Bedarf erfolgt eine Vermittlung an weitere geeignete Fachstellen wie etwa die Kinder- und Jugendpsychiatrie.
Weitere Informationen: www.kjf.stadtluzern.ch
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| Fachtagung KJF Medienmitteilung 28.05.2026 (PDF, 109 kB) | Download | 0 | Fachtagung KJF Medienmitteilung 28.05.2026 |