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11. Mai 2026
Es ist still im Karate-Dojo, aber nur zu Randzeiten: In Kursen und Einzellektionen trainieren in der Karateschule Kimura Shukokai rund 500 Mitglieder jeden Alters. Auch Sportkids der Stadt erlernen Karate von Antonella Bergamin.

Von Christine Weber

Von der Bankerin in Zürich zur Karatefrau in Luzern – ein nicht ganz alltäglicher Berufswechsel, oder? Antonella Bergamin lacht und widerspricht. «Ich habe mein Wissen, etwa in Betriebswirtschaft und Vernetzungsmanagement, mitgenommen und kann es bis heute gut einsetzen», sagt sie und erzählt, wie sie zusammen mit ihrem Partner Pascal Egger – ebenfalls ein ehemaliger Banker – die Karateschule vor beinahe 20 Jahren ins Leben gerufen hat. Seither arbeitet die Frau mit dem schwarzen Gürtel vollberuflich als Karatetrainerin, ist als Fachfrau in Sachen Gewaltprävention an Schulen unterwegs und gibt bei den Sportwochen sowie bei den Sportkids, dem freiwilligen Schulsport der Stadt Luzern, Einblick in die Sportart Karate. Das Sportkids-Angebot bietet Kindern und Jugendlichen der Stadt Luzern die Möglichkeit, verschiedene Sportarten zu entdecken und ihre sportlichen Fähigkeiten zu festigen.

Ideal für Arbeit und Leben

Bei der Standortsuche sei die Wahl schnell auf die Stadt Luzern gefallen, erzählt Antonella Bergamin. «Eine wunderbar charismatische Stadt! Ein idealer Ort zum Arbeiten und Leben.» Dass das Interesse gross war, habe sich bereits bei Schnupperangeboten gezeigt, die im denkmalgeschützten Gebäude an der Tribschenstrasse stattgefunden hätten. 2010 wurde beim Eisfeld der definitive Standort gefunden und umgebaut. Wo früher mit den Rollerblades herumgekurvt wurde, wird heute Kata geübt und Schlagtraining gemacht. «Etwas Schöneres gibt es nicht: Mein Hobby habe ich zu meinem Beruf gemacht: Das ist Leidenschaft pur und ich geniesse jede Minute meiner Arbeit», sagt Antonella Bergamin. Das glaubt man der44-jährigen Powerfrau sofort, die über das ganze

Gesicht strahlt und energisch erzählt, warum ihr die Kurse mit Kindern besonders wichtig sind. «Karate hat enorm viel mit Haltung und Werten zutun. Durch deren Vermittlung werden die Kinder in ihrem Selbstvertrauen und ihrer Persönlichkeitsentwicklung gestärkt. Das ist natürlich grundsätzlich wichtig. Besonders hilfreich kann es zudem in herausfordernden Situationen sein, etwa wenn ein Kind gemobbt wird oder wenn es Konflikte im Schulumfeld gibt.»

Verantwortung einfordern

In den Karatekursen wird viel Körperarbeit gemacht, das beginnt bei den Grundlagen wie Aufwärmen oder Ausdauertraining, führt über das Üben der Kunstform «Kata» (Schattenkampf) und reicht bis zu Zweikampf und Schlagtraining. Doch im Zentrum steht für Antonella Bergamin etwas Grundsätzliches, das in allen Lebensbereichen unerlässlich für ein gutes Miteinander ist: Versprechen einfordern, Verantwortung übernehmen und Vertrauen aufbauen. «Das tönt herausfordernd, ist in der Praxis jedoch mit wenigen Erklärungen gutverständlich», sagt die erfahrene Trainerin und zeigt auf, wie sie das in Kursen, im Einzelunterricht und in Workshops mit Schulklassen verschiedener Altersstufen macht: Zu Beginn holt sie von allen Beteiligten ein verbindliches Versprechen ein – zum Beispiel gegenseitigen Respekt. «Dann zeige ich auf, wie dieses ‹Commitment› konkret in Handlungenumgesetzt werden kann. Alle Beteiligten übernehmen dabei die Verantwortung für ihre gemachte Zusage. Wenn die zwei Aspekte Verbindlichkeit und Verantwortungsübernahme zusammenspielen, entsteht auf allen Beziehungsebenen Vertrauen.»

Strategien für gute Klassendynamik

Und was, wenn von den Kursteilnehmenden die zugesicherte Verantwortung nicht wahrgenommen, das Commitment nicht eingehalten wird? «Dann fordere ich es ein: liebevoll, aber konsequent», sagt Antonella Bergamin. Diese Methode wende sie überall an und sie funktioniere: beim Spielen mit einer übermütigen Gruppe in der Turnhalle genauso wie beim ordentlichen Hinstellen der Schuhe im Vorraum zum Dojo. «Jede eingehaltene Abmachung stärkt bei Kindern Empathie, Bewusstsein und ein respektvolles Miteinander.» Antonella Bergamin ist auch häufig in Schulen, Kindergärten oder anderen Institutionen zu Gast und leitet Workshops rund um das Motto «Stark ohne Gewalt». Dass sie angefragt werde, habe längst nicht immer konkrete Gründe – oft gehe es um Gewaltprävention ganz allgemein oder darum, wie eine Klassendynamik in gute Bahnen gelenkt werden könne. «Ich zeige den Kindern oder teils auch jungen Erwachsenen Strategien auf, wie es auch ohne Gewalt oder Beleidigungen geht und welche alternativen Möglichkeiten es gibt, Spannungen abzubauen, wenn es nötig ist.» Karate mit seinen klaren Regeln und Ritualen sei eine ideale Grundlage, um soziale Werte zu verinnerlichen und im Alltag anzuwenden. So gebe es beispielsweise bereits bei der Begrüssung ein Ritual, das gegenseitigen Respekt vermittle. «Bei dieser Sportart geht es um weit mehr als körperliche Selbstverteidigung und Muskelkraft», betont Antonella Bergamin.

Herausforderungen meistern

Demnächst ist die Ruhepause vorbei, die Kinder für den nächsten Sportkids-Kurs werden bald eintrudeln, das Telefon klingelt: Ein Vater erkundigt sich, ob sich seine Tochter gut in die Gruppeintegriert habe. Kursleiterin Bergamin gibt Auskunft, hängt auf und sagt: «Während der Kurse ist es sinnvoll, wenn die Eltern nicht anwesend sind. Die Kinder handeln dann eigenständiger. Gerade für den Aufbau von Selbstwert ist es wichtig, Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu entwickeln und Herausforderungen aus eigener Kraft zu meistern.» Aber vor und nach den Kursen habe sie für Fragen und Anliegen der Eltern natürlich immer ein offenes Ohr. Dass Erwachsene, Eltern und die Gesellschaft insgesamt den wichtigsten Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung eines Kindes leisten, ist für Antonella Bergamin selbstverständlich. «Kinder orientieren sich an dem, was ihnen vorgelebt wird. Deshalb ist es von grosser Bedeutung, ihnen mit Konsequenz, Verlässlichkeit, Sorgfalt und Liebe zu begegnen», sagt sie und ist überzeugt: «Kindererinnern sich zwar nicht immer daran, was wir ihnen sagen oder schenken. Aber an das Gefühl, das wir ihnen in unserer Gegenwart vermitteln, daran erinnern sie sich sehr wohl.»

Antonella Bergamin
Antonella Bergamin in ihrem Karatestudio. Hier unterrichtet sie Karate an Interessierte jeden Alters. Auch Lernende der Volksschule der Stadt Luzern werden von ihr geschult: im Sportkids-Angebot Karate.

 

Weitere Informationen

Freiwilliger Schulsport
Bewegung ist gesund, macht Spass und tut einfachgut. Doch welche Sportart passt am besten? Das ist gar nicht so einfach herauszufinden. Zum Glück gibt es in Luzern das kostenlose Sportkids-Angebot: Kinder aus der Stadt Luzern können verschiedene Sportarten entdecken und ausprobieren –von Tischtennis über Geräteturnen bis hin zu Volleyball und vielen weiteren coolen Sportarten. Die Kurse finden einmal pro Woche während einer Stunde statt – ausser in den Ferien und an Feiertagen.

Vom Kindergarten bis zur Oberstufe
Die Kurse werden als Semester- oder Jahreskurse am Mittag, nachdem Schulunterricht oder am Mittwochnachmittag durchgeführt. Trainiert wird in einer Gruppe von maximal16 Kindern in verschiedenen Altersgruppen ab dem Kindergarten bis zur Oberstufe. Alle Infos finden Sie unter: www.freizeit-luzern.chExterner Link wird in einem neuen Fenster geöffnet..

Neue Sportkids-Kurse
Möchten auch Sie Ihre sportliche Leidenschaft mit Kindern und Jugendlichen aus der Stadt Luzern teilen? Verfügen Sie über eine J+S-Anerkennung, und haben Sie bereits Erfahrungen im Setting Sport mit Kindern? Aktuell läuft die Planung des Sportkids-Angebots fürs neue Schuljahr.

Sind Sie interessiert? Melden Sie sich!
Gemeinsam planen wir den Einsatz – wir freuen uns auf Ihre Kontaktaufnahme: sport@stadtluzern.ch, Tel. 041 208 82 40

 

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Stadtmagazin 2/2026