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11. Mai 2026
Am 14. Juni 2026 entscheiden die Stimmberechtigten über drei Massnahmen für die Umsetzung einer aktiven Bodenpolitik. Der Grosse Stadtrat hat die dafür notwendigen Reglementsänderungen sowie die Sonderkredite von 121,34 Mio. Franken bewilligt.

Von Dagmar Christen

Der Grosse Stadtrat und der Stadtrat haben sich zum Ziel gesetzt, den Marktanteil des gemeinnützigen Wohnungsbaus bis zum Jahr 2048 auf 18 Prozent des gesamten Wohnungsbestandes in der Stadt Luzern zu erhöhen. Dieses Ziel will die Stadt mit Partnerinnen und Partnern erreichen. Es sollen folgende drei Massnahmen umgesetzt werden: Die Stadt Luzern gründet die Stiftung «Wohnraum für alle», die gemeinnützige Wohnungen bereitstellt, sie erwirbt selbst zusätzliche Liegenschaften, und sie vergibt zinslose und zinsgünstige Darlehen an gemeinnützige Wohnbauträger.

Stiftung «Wohnraum für alle»

Bis 2048 sollen 500 Wohnungen durch eine neu zu gründende Stiftung bereitgestellt werden. Der Stadtrat gründet diese privatrechtliche Stiftung, die als neuer gemeinnütziger Wohnbauträger in der Stadt auftritt. Die Stiftung soll insbesondere Wohnungen für ältere Personen und Familien bieten. Der Fokus liegt auf generationsübergreifenden Wohnangeboten. Die Stiftung wird mit einem Kapital von 70 Mio. Franken ausgestattet. Aufgrund der Dringlichkeit der Wohnraumproblematik soll die Stiftung «Wohnraum für alle» noch im Jahr 2026ihre Aktivität aufnehmen.

Stadt Luzern kauft Wohnungen

Die Stadt will selbst Liegenschaften kaufen, um insbesondere Wohnraum für Menschen in Ausbildung, ältere Menschen und sozial benachteiligte Personen bereitzustellen. Damit wird eine lokale sozialräumliche Durchmischung in Quartieren und Siedlungen gefördert. Bis 2048 sollen mit dieser Massnahme durch die Stadt rund 300 preisgünstige Wohnungen realisiert werden. Diese sollen kostendeckendvermietet werden. Eine Subvention der Mietpreise ist nicht vorgesehen. Gleichzeitig wird damit auch der Handlungsspielraum erhöht, damit die Stadt Liegenschaften für künftige öffentliche Aufgaben wie Bildung, Infrastruktur, Freiraum und Wirtschaft sichern kann. Die Ausgaben und der Antrag, diese dem gemeinnützigen Wohnungsbauzuzuführen, werden jeweils dem Grossen Stadtrat unterbreitet und sind nicht Teil der Vorlage.

Zinslose und zinsgünstige Darlehen

Mit der Vergabe von städtischen Darlehen werden gemeinnützige Wohnbauträger unterstützt und gestärkt. Durch attraktive Finanzierungsbedingungensollen ihre Kauf- sowie Bauaktivitäten gefördert werden. Damit kann ein tieferes Mietzinsniveautrotz hohen Immobilienpreisen gesichert werden. So sollen bis 2048 rund 300 zusätzliche gemeinnützige Wohnungen geschaffen werden. Die zinslosen und zinsgünstigen Darlehen müssen vollumfänglich an die Stadt Luzern zurückbezahlt werden. Beider Darlehensvergabe arbeitet die Stadt mit den beiden Dachorganisationen der gemeinnützigen Wohnbauträger zusammen («Wohnen Schweiz» und «Wohnbaugenossenschaften Schweiz»). Gesamthaft rechnet die Stadt Luzern durch die Umsetzung einer aktiven Bodenpolitik mit Investitionen von über 300 Mio. Franken bis 2048. Diese Investitionen können durch die Erträge der Mietzinse und durch die Rückzahlungen der Darlehen grösstenteils amortisiert werden. Damit die Umsetzung der aktiven Bodenpolitik für den städtischen Finanzhaushalt tragbar bleibt, wird der jährliche Investitionsbetrag an die finanziellen Rahmenbedingungenangepasst.

Initiative gab den Anstoss

Die vorgeschlagenen Massnahmen wurden durch die «Wohnrauminitiative: Aktive Bodenpolitik zur Förderung von zahlbarem Wohnraum» angestossen. Der Stadtrat stellte der Initiative seine Vorstellungen einer aktiven Bodenpolitik entgegen. Die beiden Vorlagen waren in zwei Sitzungen des Grossen Stadtrates ein Thema: Am 18. Dezember2025 wurde die Diskussion nach einem Rückweisungsantragvertagt. Nach einer zweiten Kommissionssitzung im Januar 2026 nahm der Grosse Stadtrat die Beratung im März wieder auf.

Debatte des Grossen Stadtrates

In der Sitzung vom 5. März 2026 lehnte der Grosse Stadtrat die Initiative ab und stimmte dem Gegenvorschlag, der Umsetzung einer aktiven Bodenpolitik, zu. Die Positionen im Grossen Stadtrat waren klar: Die SP/JUSO-, die GRÜNE/JG-, die Mitte- und die GLP-Fraktion sprachen sich für die vorgeschlagenen Massnahmen zur Umsetzung der aktiven Bodenpolitik aus, die FDP- und die SVP-Fraktion dagegen. Der Grosse Stadtrat stimmte der Umsetzung einer aktiven Bodenpolitik mit 33 zu 14 Stimmen zu. Er bewilligte die Sonderkredite von insgesamt121,34 Mio. Franken für die Stiftung «Wohnraum für alle», für die Darlehensvergabe an gemeinnützige Wohnbauträger und für zusätzlichen Personal- und Sachaufwand sowie für Betriebsmittel bei der Dienstabteilung Immobilien. Ebenso stimmte der Grosse Stadtrat der Änderung des Reglements über die Förderung des gemeinnützigen Wohnungsbaus (Totalrevision) und der Änderung des Reglements über das Beteiligungsmanagement der Stadt Luzern(Teilrevision) zu. Die Initiantinnen und Initianten waren mit den Entscheiden des Grossen Stadtrates zufrieden. Sie zogen die «Wohnrauminitiative» zurück.

Empfehlung an die Stimmberechtigten

Der Grosse Stadtrat und der Stadtrat empfehlenden Stimmberechtigten, der Umsetzung einer aktiven Bodenpolitik zuzustimmen.

Stadt Luzern
Der Anteil von gemeinnützigen Wohnungen soll bis 2048 auf 18 Prozent des gesamten Wohnungsbestandes erhöht werden: dies mithilfe einer Stiftung sowie durch den Kauf von Liegenschaften und Darlehensvergaben durch die Stadt Luzern an private gemeinnützige Wohnbauträger.

Haltung der parlamentarischen Minderheit

Im «Stadtmagazin» erhält eine parlamentarische Minderheit, die eine Abstimmungsvorlage in der Ratsdebatte abgelehnt hat, nach Artikel 4 des Reglements über die städtischen Volksabstimmungen vom 6. Juni 2013 Platz zur Darstellung ihrer Haltung.

Nein zum teuren Wohnungsmärchen
Nein zum Gegenvorschlag «Aktive Bodenpolitik»

Viele Menschen wünschen sich mehr bezahlbare Wohnungen in Luzern. Dieses Anliegen ist verständlich. Doch der Gegenvorschlag zur aktiven Bodenpolitik löst dieses Problem nicht.

Die Stadt soll Liegenschaften im grossen Stil kaufen und selbst vermieten. Doch dadurch entsteht keine einzige zusätzliche Wohnung. Bestehender Wohnraum wird lediglich umverteilt.

Damit wird die Stadt zunehmend selbst zur grossen Eigentümerin auf dem Wohnungsmarkt. Gleichzeitig entscheidet immer stärker die Verwaltung, wer eine Wohnung erhält und wer nicht. Das verändert auch die Zusammensetzung von ganzen Quartieren.

Hinzu kommen enorme Kosten. Die Vorlage kostet die Luzerner Bevölkerung über 330 Mio. Franken – rund7630 Franken pro Haushalt. Dieses Geld muss letztlich von der Bevölkerung finanziert werden – über höhere Steuern oder durch den Abbau von Leistungen. Gleichzeitig können nur rund 2 Prozent der Bevölkerung überhaupt von einer städtischen Wohnung profitieren. Die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung bezahlt – ohne selbst je davon zu profitieren.

Erfahrungen aus Städten wie Zürich, Lausanne oder Genf zeigen zudem: Solche Massnahmen versprechen, die Mietpreise zu dämpfen – tatsächlich bleiben sie trotz staatlicher Eingriffe hoch und steigen weiter. Am Ende ist es ein teurer Tropfen auf den heissen Stein.

Wenn Wohnungen deutlich günstiger vermietet werden, entstehen zudem Wartelisten. Wohnungen werden seltener frei, weil Menschen länger darin bleiben. Gerade junge Menschen, Familien oder Personen, die neu nach Luzern ziehen, haben dadurch noch schlechtere Chancen auf eine Wohnung.

Wer wirklich mehr bezahlbare Wohnungen will, muss dafür sorgen, dass mehr gebaut wird.

Darum sagen wir Nein zum Gegenvorschlag zur aktiven Bodenpolitik.

 

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Stadtmagazin 2/2026