Von Andrea Müller
Zivildienstleistende – kurz Zivis – sind ein wichtiger Teil des Schulalltags an den städtischen Primar- und Sekundarschulen. Sie unterstützen die Lehrpersonen bei verschiedenen Aufgaben und helfen den Schülerinnen und Schülern bei ihren Lernprozessen. Im Primarschulhaus Felsberg arbeitet Gaudenz Scherer an diesem Morgen im Französischunterricht von Fachlehrer Philipp Méroz mit. Mit den Fünft- und Sechstklasskindern spielt er ein Spiel, bei dem die Anzahl «allumettes» (Streichhölzer) in den Fäusten erraten werden muss. «Ich sage ‹neuf›», sagt einer der Schüler.
Einsatz im Unterricht und in der Betreuung
«Ich habe mich für den Zivildienst an der Schule beworben, weil ich von Kollegen gehört habe, dass es eine tolle Erfahrung ist», sagt Gaudenz Scherer. Er wurde nicht enttäuscht – die Tätigkeit gefällt ihm sehr. Er unterstützt die Lehrpersonen im Unterricht, bei der Pausenaufsicht und bei administrativen Aufgaben oder der Bereitstellung von Materialien und hilft auch in der Betreuung und der Ferienbetreuung mit. Im Unterricht merkt man sofort, dass die Kinder den Kontakt zum Zivi suchen, was auch Französischlehrer Philipp Méroz bestätigt: «Er hat eine gute Beziehung zu den Kindern aufgebaut und entlastet mich bei meiner Arbeit.»
Dass Zivildienstleistende eine grosse Unterstützung für die Schule sind, sagt Stephanie Steiner, Schulleiterin am Primarschulhaus Felsberg. Sie helfen den Lehrpersonen, die Kinder zu fördern. Bei Kindern mit Lernschwierigkeiten können sie im Eins-zu-eins-Setting eingesetzt werden. Zivis haben meist keine sozialpädagogische Ausbildung und werden deshalb immer von Klassen- oder Fachlehrpersonen begleitet.
Bald mehr Ziviplätze
Nadia Schäuble, zuständig für die Koordination der Zivildienstleistenden seitens des Rektorats, erklärt, dass Zivildienstleistende meist für 180 Tage an einer Schule tätig sind. Bisher kann die Volksschule Stadt Luzern fünf bis sechs Zivis pro Semester beschäftigen, doch ab Sommer 2026 werden es zehn sein, was einem Bedürfnis der Schulen entspricht. So wird jede Schulbetriebseinheit pro Schuljahr während eines Semesters von einem Zivi unterstützt.
Für die Anstellung der Zivildienstleistenden gilt, dass sie keine Konkurrenz für regulär angestellte Mitarbeitende darstellen dürfen. Die Zivis haben Anspruch auf einen Erwerbsersatz und erhalten in der Regel in der Betreuungseinrichtung der Schule ihre Mahlzeiten. Im Vorfeld nehmen sie an einem Vorbereitungskurs teil, und während ihres Einsatzes machen sie zwei Kurse zur Betreuung von Kindern oder Jugendlichen. «Bei Schulleitungen besonders beliebt sind Zivis, die als Leiterin oder Leiter von Jungwacht oder Blauring oder als J+S-Leitende bereits Erfahrung mit Kindern und Jugendlichen haben», sagt Nadia Schäuble. Voraussetzung für eine Anstellung sei dies aber nicht.
Bezug zur eigenen Schulzeit
Am Sekundarschulhaus Tribschen ist Luc Reichmuth als Zivildienstleistender tätig. Auch ihm gefällt die Tätigkeit sehr, vor allem wegen ihrer Abwechslung – keine Unterrichtsstunde ist gleich. Er schätzt es besonders, dass er sich als Zivi gezielt Zeit für einzelne Lernende nehmen kann, um sie individuell zu unterstützen. Im regulären Unterricht fehlt oft die nötige Zeit, um den unterschiedlichen Niveaus gerecht zu werden.
Die Zusammenarbeit mit den jungen Menschen, die altersmässig nicht allzu weit von Reichmuth entfernt sind, funktioniert sehr gut: «Da meine eigene Schulzeit noch nicht lange zurückliegt, kann ich die Herausforderungen der Lernenden gut nachvollziehen und ihnen auf einer anderen Ebene begegnen.» Besonders schätzt er den gegenseitigen Austausch: Im textilen und technischen Gestalten haben ihm die Jugendlichen beispielsweise gezeigt, wie man eine Nähmaschine genau einfädelt – er selbst hat seit knapp zehn Jahren keine mehr gebraucht –, während er ihnen beim präzisen Abmessen und Abstecken der Stofftaschen half. «Solche Situationen fördern eine offene und wertschätzende Lernatmosphäre», ist Luc Reichmuth überzeugt.
Beziehungsarbeit gelingt
Dass Zivildienstleistende eine besondere Beziehung zu den Lernenden aufbauen können, bestätigt auch Pascal Liefert, der die Sekundarschule Hubelmatt leitet und regelmässig Zivis beschäftigt: «Die Zivis finden meist einen stimmigen Mix zwischen kollegialem und professionellem Umgang mit den Lernenden. Den Zivi, der zurzeit im Hubelmatt arbeitet, schätzen die Jugendlichen sehr. Sie suchen den Kontakt zu ihm und sprechen mit ihm auch über persönliche Dinge.»