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2. Februar 2026
Im Moosmattquartier haben die Besitzenden einer Blockrandbebauung eine Energiegenossenschaft gegründet. Gemeinsam wollen sie die mit Gas und Öl beheizten Liegenschaften langfristig mit erneuerbarer See-Energie versorgen.

Von Luca Wolf

Die Stadt betont es immer wieder: Nur mit der Mitwirkung der ganzen Gesellschaft ist das Ziel von Null CO2 bis 2040 in Luzern zu schaffen. Ein schönes Beispiel für ein vorbildliches Engagement von Liegenschaftsbesitzenden zeigt sich nun unter anderem im Moosmattquartier. Dort liegt gegenüber des Moosmattschulhauses die Blockrandbebauung Budelehof. Dieses Bauensemble wird von der Moosmatt-, Eichmatt-, Rhynauer- und Voltastrasse umschlossen und umfasst 17 Liegenschaften.

Heute verfügt jedes der 17 Gebäude über eine eigene, mit Gas oder Öl betriebene Heizung. Die meisten dieser Anlagen sind überdimensioniert, verfügen also über eine höhere Heizleistung als eigentlich nötig wäre. Zudem müssen mehrere der Heizungen aufgrund ihres Alters bald ersetzt werden.

Blockrandbebauung Budelehof
Die rund 100-jährige Blockrandbebauung Budelehof liegt direkt vis-à-vis des Schulhauses Moosmatt und umfasst 17 Gebäude samt einem begrünten Innenhof. Nun wird die Überbauung energetisch für die Zukunft fit gemacht.

Gemeinsam statt im Alleingang

Vergangenen Herbst haben sich die Besitzenden von 15 der 17 Liegenschaften zur «Verbund Budelehof Genossenschaft» zusammengeschlossen. Präsident der Genossenschaft ist Lukas Hochstrasser. Er sagt: «Ziel der Genossenschaft ist es zum einen, sich gemeinsam auf den Anschluss an das sich in Planung befindliche See-Energie-Netz von ewl (Energie Wasser Luzern) vorzubereiten.» Ein Anschluss ist voraussichtlich ab 2034 möglich. «Zum anderen soll verhindert werden, dass die bestehenden Gas- und Ölheizungen vor dem Anschluss erneut durch fossilbetriebene Heizungen ersetzt werden müssen.» Im sogenannten Nanoverbund, einem Konzept der Basler Energieversorgerin IWB, werden die Heizungsanlagen der 15 Gebäude über eine Ringleitung durch das Untergeschoss miteinander verbunden. Die bestehenden, noch relativ neuen, aber überdimensionierten Heizungen produzieren während der nächsten Jahre die Energie für alle angeschlossenen Gebäude. «Alte, ineffiziente Anlagen am Ende ihrer Lebensdauer werden ausser Betrieb genommen», erläutert Lukas Hochstrasser. Zwei Gebäudesind noch nicht dabei beim Nanoverbund. Die Liegenschaftsbesitzenden halten sich offen, ob sie zu einem späteren Zeitpunkt einsteigen oder eine eigene erneuerbare Heizlösung realisieren.

1’000 Tonnen weniger CO2

Die Bauarbeiten für den Nanoverbund finden voraussichtlich im Sommer 2026 statt. «Dank der erzielten Effizienzsteigerung im Gesamtsystemreduziert die Genossenschaft den Ausstoss des Treibhausgases CO2 von heute jährlich rund 260 Tonnen bereits ab Ende 2026 um mindestens10 Prozent», sagt Chris Steffen von der Projektfabrik AG. Er hat im Auftrag der Stadt als Energiecoach das Projekt begleitet. Zudem kann ab 2034 die gesamte Blockrandbebauung mit minimalem Aufwand an den klimafreundlichen See-Energie-Verbund von ewl angeschlossen werden. Insgesamt können mit dem Nanoverbund (dank der Effizienzsteigerungen und des raschen Anschlusses an die See-Energie) schätzungsweise etwa 1’000 Tonnen CO2 eingespart werden.

Viel Überzeugungsarbeit geleistet

Die Besitzstrukturen der Liegenschaften im Budelehof sind vielfältig. Sie reichen von Privatpersonen und Erbengemeinschaften über Stockwerkeigentümergemeinschaften bis hin zu einer Genossenschaft und einer Stiftung. «Eine der Herausforderungen war es, all diese unterschiedlichen Parteien an einen Tisch zu bringen und für diese gemeinsame Sache zu gewinnen», sagt Chris Steffen. Die Stadt Luzern unterstützte den Prozess im Rahmen eines aus der Klima- und Energiestrategie abgeleiteten Pilotprojekts. Gemeinsam mit Chris Steffen wurde die technische Machbarkeit geprüft. Auch wurden organisatorische, rechtliche und betriebswirtschaftliche Grundlagen für einen tragfähigen Verbund erarbeitet.

Verbund Budelehof
Der Vorstand der «Verbund Budelehof Genossenschaft» (von rechts): Brigitte Vonwil, Reto Stocker und Lukas Hochstrasser mit Energiecoach Chris Steffen. Auf dem Bild fehlt Vorstandsmitglied Marc Achermann.

Der städtische Projektleiter Daniel Lehmann Pollheimer lobt: «Mit der Gründung der Genossenschaft setzen sich die Liegenschaftsbesitzendendes Budelehofs als Gemeinschaft für das städtische Ziel einer möglichst CO2-freien Wärmeversorgung ein.» Präsident Lukas Hochstrasser begründet das Engagement auch wie folgt: «Wir möchten mit unserem Pioniergeistandere Liegenschaftsbesitzende ermutigen, ebenfalls innovative gemeinschaftliche Lösungen zu suchen. Wir sind überzeugt, dass es viele weitere Konstellationen gibt, die – ähnlich wie im Budelehof– von entsprechenden Synergiepotenzialen profitieren können.» Für die Stadt Luzern liefert das Pilotprojektwichtige Erkenntnisse darüber, wo Chancen und Herausforderungen bei gemeinschaftlichen Heizlösungen liegen – technischer, organisatorischer und finanzieller Natur. Daniel Lehmann Pollheimer führt aus: «Auf Basis der erarbeiteten methodischen Grundlagen und der gewonnenen Erfahrungen entwickeln wir nun das Energiecoaching für Bauensembles weiter.» Zudem ermittelt die Stadt weitere Gebäudegruppen, die für solche Energiecoachingsund gemeinsame Heizlösungen infrage kommen.

See-Energie ist matchentscheidend

Bei den fossilen Heizungen anzusetzen, ist von entscheidender Bedeutung, um die Ziele der städtischen Klima- und Energiestrategie zu erreichen. Denn noch immer werden in der Stadt Luzern etwa 85 Prozent der Heizungen fossil, also mit Gas oder Öl, betrieben. Diese rund 5’000 Heizungen verursachen fast die Hälfte der lokalen Treibhausgasemissionen. Um unter anderem diese Emissionen wiegeplant bis 2040 auf null zu reduzieren, müssen alle Heizungen auf Stadtgebiet künftig mit erneuerbaren Energien betrieben werden. Ohne den Ausbau der See-Energie ist das nicht zu erreichen: Im Endstadium soll das von ewl und der Stadt Luzern gemeinsam realisierte See-Energie-Netz zusammenmit Fernwärme ab 2040 rund die Hälfte des Wärmebedarfsder Stadt Luzern abdecken. Lokal, nachhaltig, klimafreundlich.

Effizienter heizen

Ergänzend zum Nanoverbund konnten im Budelehof dank des Angebots «Effizient heizen» die Heizungen optimaler eingestellt werden. Auch viele andere Heizungen in der Stadt könnten justiert werden, dass sie günstiger und klimafreundlicher funktionieren – ohne Komforteinbusse. Um etwa 10 bis 15 Prozent kann der Energieverbrauch im Schnitt gesenkt werden. Für die Liegenschaftsbesitzenden ist die Erstberatung neu kostenlos. Das Angebot gilt für alle Wohn- und Geschäftshäuser in der Stadt. Es kommen alle Heizungsarten infrage, wie etwa fossile Gas- oder Ölheizungen, Wärmepumpen oder der Anschluss an ein Wärmenetz.

Anmeldung und Info:
www.stadtluzern.ch/effizientheizen

Website hilft beim Heizungsersatz
Liegenschaftsbesitzende in der Stadt Luzern haben teilweise verschiedene Möglichkeiten, ihre fossilen Heizungen durch solche mit erneuerbaren Energien zu ersetzen. Ausserhalb des See-Energie- und Fernwärmeperimeters etwa kommen in der Regel drei verschiedene Arten von Wärmepumpen zum Einsatz. Welche Heizlösung ab wann für ein Gebäude empfohlen wird, zeigt die Website www.klimafreundlichheizen.chExterner Link wird in einem neuen Fenster geöffnet.. Dort werden auch Fördermöglichkeiten und Beratungsangebote vermittelt. Ende 2025 haben Stadt und ewl die See-Energie-Verbundgebiete rechtes Seeufer, linkes Seeufer und Luzern Zentrum aktualisiert.

 

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