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2. Februar 2026
Die Stadt will den öffentlichen Raum weiterentwickeln und setzt sich für Erholungs- und Freiräume für die Gesellschaft ein. Quartiere, Bevölkerung und Organisationen werden in Projekte einbezogen und können ihre Bedürfnisse einbringen.

Von Manuel Huber

Im Geissmattpark klettern Kinder auf grossen Flusssteinen herum. Leute plaudern, lesen, essen und erholen sich in diesem naturnahen Park direkt an der Reuss. Mitte 2027 soll dies Realität sein. Dann präsentiert sich der Geissmattpark als offener und einladender Freiraum. Auch das beliebte Inseli soll ab 2031 in neuer Form zur Erholung und als Treffpunkt einladen, unter anderem mit einer vergrösserten Liegefläche, einer ganzjährigen Gastronomie und einem Generationenspielplatz und Nutzbarkeit für Veranstaltungen wie die Määs. Ein weiteres Projekt nimmt bereits Gestalt an. Seit Herbst 2024 wird an der Bahnhofstrasse gebaut. Es entstehen unter anderem eine zweite Baumreihe, ein klimafreundlicher Mergelbelag unter den Bäumen und verschiedene Sitzgelegenheiten.

Dichte als Stärke und Herausforderung

Diese Beispiele zeigen, dass sich die Stadt Luzern für Erholungs- und Freiräume für die gesamte Gesellschaft einsetzt. Eine Herausforderung sei, den öffentlichen Raum so zu gestalten, dass er für alle attraktiv und gleichzeitig funktional sei, sagt Deborah Arnold, Leiterin Stadtplanung. «Die Innenstadt ist geprägt von einer hohen Dichte mit vielen spannenden Angeboten, dementsprechend gilt es, vielfältige Anforderungen aufgrund der erforderlichen Infrastrukturen, der zu erhaltenden historischen Strukturen und der drängenden Klimafragen zu berücksichtigen.» Die Stadt nimmt die Themen im Kleinen auf, beispielsweise bei Umgestaltungen von Strassenräumen, aber auch im Grossen, wie zum Beispiel bei der Planung rund um den Durchgangsbahnhof Luzern. Deborah Arnold betont auch die Wichtigkeit von Massnahmen durch Private, da der öffentliche Raum begrenzt ist. Hier wirkt die Stadt unterstützend, indem sie zur Begrünung von Innenhöfen ein Beratungsangebot lanciert und Beiträge leistet, wenn private Anlagen öffentlich genutzt werden dürfen.

Sibylle und Deborah
Auch das «neue» Inseli soll ein attraktiver Freiraum für alle Menschen bleiben. Dafür setzen sich Sibylle Stolz, Leiterin Quartiere und Integration (links), und Deborah Arnold, Leiterin Stadtplanung, ein.

Die verschiedenen Ansprüche abholen

Dass die Weiterentwicklung des öffentlichen Raums eine grosse Herausforderung ist, bestätigt Sibylle Stolz Niederberger, Leiterin Quartiere und Integration bei der Stadt Luzern: «Die Innenstadt ist ein wichtiger Sozialraum. Hier treffen sich viele Menschen. Es gibt viele Treffpunkte für unterschiedliche soziale Gruppen. Dadurch prallen verschiedenste Interessen aufeinander, jene von Bewohnenden, Besuchenden, Arbeitnehmenden, Gewerbetreibenden und vielen weiteren Gruppierungen.» Um all die verschiedenen Ansprüche abzuholen, arbeitet die Stadt partizipativ. Sie will den Stadtraum gemeinsam mit den Quartierorganisationen und der Bevölkerung weiterentwickeln. Der Austausch wird als inspirierend beschrieben und bringt Mehrwert. Durch Partizipationsprozesse ist die Gestaltung von öffentlichen Innen- und Aussenräumen besser auf die Bedürfnisse der Nutzenden abgestimmt.

Gesellschaft im Wandel

Die Bedürfnisse an die Gestaltung und Nutzung des öffentlichen Raumes verändern sich dynamisch. So ist etwa die Nutzung in den Nachtstunden viel aktiver als noch vor 20 Jahren. Der Nutzungsdruck steigt laufend, nur schon aufgrund des Bevölkerungswachstums. Die Aneignung und Nutzung der öffentlich zugänglichen Orte ist weitgehend in der Eigenverantwortung der Bevölkerung. Damit sich alle wohl und sicher fühlen und Nutzungskonflikte präventiv angegangen werden können, braucht es Begleitung, Unterstützung und Intervention des grossen Netzwerkes im Sozial- und Sicherheitsbereich. Für ein respektvolles Miteinander sowie eine attraktive Innenstadt sind auch ein aktives Quartierleben und Treffs für unterschiedliche Zielgruppen wichtig. Sibylle Stolz ist überzeugt: «Gerade in Zeiten der globalen Unsicherheiten und der Digitalisierung gewinnen analoge Begegnungsorte an Wichtigkeit für den Einzelnen, aber auch für den lokalen gesellschaftlichen Zusammenhalt.»

 

Strahlkraft für die ganze Stadt

Die Innenstadt ist geprägt von einem Mix aus Läden, Dienstleistungen, Restaurants, Hotels, Kultur und Kleingewerbe. Diese Vielfalt will die Stadt durch gute Rahmenbedingungen erhalten.

Die Stadt Luzern ist eine Perle und zeichnet sich durch ihre einzigartige Lage aus. Das allein mache die Stadt aber nicht aus, sagt Peter Weber, Beauftragter Wirtschaft. «Die Stadt wird geprägt von den Menschen, die hier leben, arbeiten oder als Gäste zu Besuch sind.» Die Innenstadt nimmt dabei eine Schlüsselrolle ein, denn sie erfüllt vielfältige Funktionen und wird von verschiedenen Kräften mitgestaltet: Gewerbetreibenden aus dem Detailhandel, der Gastronomie und Hotellerie, dem verarbeitenden Gewerbe, dem Dienstleistungssektor, Kulturschaffenden sowie der Bevölkerung. «Mit ihrem Engagement und ihrem Angebot tragen diese Betriebe und Menschen wesentlich zur Attraktivität der Luzerner Innenstadt als Lebens-, Erlebnis- und Einkaufsort bei», so Peter Weber weiter.

Peter Weber
Peter Weber, städtischer Wirtschaftsbeauftragter, engagiert sich für ein positives Miteinander aller Anspruchsgruppen.

Grosses Angebot

Wie gross die Vielfalt in Luzern ist, zeigt beispielsweise ein Blick auf den Branchenmix. Mit rund 1’265 Filialen verfügt die Stadt Luzern über ein überdurchschnittliches Angebot. Dienstleistungen wie Haarsalons, Apotheken und Blumenläden machen dabei fast die Hälfte aus. Mit rund 13 Prozent hat Luzern auch viele Spezialgeschäfte, etwa Vinotheken oder Veloläden. Dahinter folgen Shoppingmagnete wie Filialen grosser Kleidermarken, Nahversorgende wie kleinere Supermärkte oder Bäckereien sowie Standortgeneralisten wie Buchläden. Das Angebot konzentriert sich vorwiegend auf die Innenstadt, die dadurch zu einem wichtigen Wirtschaftsraum wird. Zugleich ist sie Wohngebiet sowie ein Ort für Freizeit, Kultur und Unterhaltung. Das hat Strahlkraft, sagt Peter Weber: «Eine attraktive, lebenswerte Innenstadt wirkt stimulierend für das ganze Stadtgebiet.»

Gute Rahmenbedingungen schaffen

Damit die Innenstadt langfristig attraktiv bleibt, braucht es aus Sicht des städtischen Wirtschaftsbeauftragten vor allem etwas: «Es braucht generell gute, ausgewogene Rahmenbedingungen, die ein positives Miteinander der verschiedenen Anspruchsgruppen ermöglichen.» Die Stadt Luzern will beispielsweise den öffentlichen Raum aufwerten und damit Voraussetzungen unterstützen, damit Unternehmen der Bevölkerung und den Gästen qualitativ hoch stehende Produkte und Dienstleistungen anbieten können. «Wir beschäftigen uns daher mit Themen wie konstruktiver Bewilligungspraxis, Sitzmöglichkeiten, Beleuchtung, Flexibilisierung der Ladenöffnungszeiten oder Paketlogistik.» Peter Weber nennt in diesem Zusammenhang auch zwei wichtige Instrumente zur Attraktivierung der Luzerner Innenstadt: den städtischen ALI-Fonds und das City-Management Luzern. Der ALI-Fonds will die Innenstadt als Marktplatz attraktiver machen und verfolgt dabei einen ganzheitlichen Ansatz. Das City-Management trägt zum Austausch und zur Zusammenarbeit bei. «Es ist ein konkretes Beispiel für das Miteinander im Stadtzentrum», sagt Peter Weber. Auch im Bereich Tourismus funktioniere der Dialog. Ein Beispiel ist das neue Reisebusregime, bei dem die Branche und die Leistungstragenden aus der Innenstadt viel mitgearbeitet haben. Das gemeinsame Engagement zeigt Wirkung: Der Tourismus wird gemäss einer Bevölkerungsbefragung etwas positiver bewertet als zuvor. Dennoch gibt es Themen, welche die Bevölkerung nach wie vor als kritisch beurteilt, beispielsweise den Einfluss des Tourismus auf die Wohnungspreise.

Innovative Konzepte

Ein gutes Miteinander ist umso wichtiger, da die Innenstadt mit wachsenden Herausforderungen konfrontiert ist. Dazu gehören unter anderem die zunehmenden Onlineangebote und -einkäufe, der Nutzungsdruck oder die Erreichbarkeit der Innenstadt. «Gleichzeitig eröffnet das veränderte Konsumverhalten auch Chancen für weiterentwickelte, neue, innovative Konzepte», ist Peter Weber überzeugt.

City-Management

Das City-Management Luzern wurde 2023 von verschiedenen Anspruchsgruppen der Innenstadt, der Stadt Luzern und dem ALI-Fonds gegründet. Operativ tätig ist das City-Management Luzern seit August 2024. Hauptziel des Vereins ist es, die Luzerner Innenstadt attraktiver und lebendiger zu machen. Dazu stärkt das City-Management die Zusammenarbeit aller Beteiligten und koordiniert Aktivitäten rund um die Entwicklung der Innenstadt, die als Lebensraum zum Wohnen, Einkaufen, Arbeiten und Ausgehen verstanden wird.

Ziele und Erfolge
Als zentrale Anlaufstelle verbindet das City-Management Luzern wichtige Anspruchsgruppen wie Bevölkerung, Besuchende, Gewerbe, Verwaltung, Hotellerie und Gastronomie, Immobilienbesitzende, Kultur und Politik. Im Mittelpunkt stehen eine gute Aufenthaltsqualität, mehr Leben in der Innenstadt und ein wirkungsvolles Leerstandsmanagement. Die Anstrengungen des Vereins zeigen Wirkung: Das City-Management Luzern verzeichnet eine spürbare Nachfrage nach nutzbaren Lokalitäten und konnte erste Erdgeschossnutzungen vermitteln.

Weitere Informationen:
www.citymanagementluzern.chExterner Link wird in einem neuen Fenster geöffnet.

 

Mobilität beeinflusst das künftige Stadtbild

Luzern entwickelt sich zur «Stadt der Zukunft». Das wird auch die Innenstadt als Begegnungs- und Wohnort stark verändern. Die Förderung der platzsparenden Mobilität spielt dabei eine wichtige Rolle, um Raum für Neues zu schaffen.

An der Winkelriedstrasse läuft von April 2025 bis März 2026 ein Test. Die Stadt Luzern prüft, wie dieser stark genutzte Strassenraum sicherer ausgestaltet werden kann. «Die Zwischenbilanz fällt mehrheitlich positiv aus», sagt Sibylle Lehmann, Co-Leiterin Mobilität bei der Stadt Luzern. «Wir konnten Verbesserungen hinsichtlich Wohn- und Aufenthaltsqualität, Verkehrsfluss für Velofahrende, Sicherheit und Familienfreundlichkeit verzeichnen. Kritisiert wird dagegen der Abbau von Auto-Parkplätzen.» Insbesondere die unterschiedliche Nutzung herkömmlicher Parkfelder sei bei diesem Test spannend: «Diese wurden teilweise in Parkfelder für Handwerks- und Serviceleute oder in Güterumschlagsflächen umgenutzt und sind gut ausgelastet. Das ermöglicht Anlieferungen und Parkierung für Gewerbe und Handwerk auf Flächen, die früher durch Dauerparkierung belegt waren. All diese Erkenntnisse sind für uns wertvoll für die Parkplatzplanungen in der gesamten Stadt.»

Vorhandenen Platz bestmöglich nutzen

Die Innenstadt entstand lange, bevor es Parkplätze, Autos und Velos gab. «Altstadt und Kleinstadt sind historisch bedingt auf den Fussverkehr ausgerichtet. Das Gebiet steht damit im Kontrast zu den stark belasteten Hauptachsen, die sie flankieren», erklärt Milena Scherer, ebenfalls Co-Leiterin Mobilität. Das zeigt, wo die grössten Herausforderungen im Bereich Mobilität liegen: Der Platz ist knapp, und die Ansprüche sind vielfältig. In der Innenstadt bewegen sich sehr viele Menschen, und die Stadt muss laufend beliefert werden. Auch die Entsorgung ist ein grosses Thema. Der Verkehr soll fliessen, gleichzeitig braucht es Raum für Aufenthalt, Lebensqualität und Klimaanpassung. «Ziel – und gleichzeitig Herausforderung – ist es, das für alle möglichst gut unter einen Hut zu bringen», so Milena Scherer.

Milena und Sybille
Die Co-Leiterinnen Mobilität, Milena Scherer (links) und Sibylle Lehmann, am lauten Museumsplatz, dem Tor zur Altstadt. Sie wollen mit einer geschickten Verkehrsplanung Flächen freispielen.

Komplexität erfordert Partnerschaften

Mobilitätsprojekte in der Stadt sind immer sehr komplex, weshalb Luzern auf eine gute Zusammenarbeit mit verschiedenen Partnerorganisationen angewiesen ist. Bei den Reisebussen beispielsweise ist die Stadt mit Vertretungen der Tourismuswirtschaft im Gespräch, für alle Themen rund um die Seebrücke und die Kantonsstrassen ist der Kanton der Ansprechpartner. «Es sind gute und meist konstruktive Diskussionen», sagt Sibylle Lehmann, «auch mit unseren stadtinternen Kolleginnen und Kollegen aus den anderen Bereichen, die sich ebenfalls um den öffentlichen Raum kümmern.»

Gemeinsame Strategien

«Hilfreich sind auch die städtische und die kantonale Mobilitätsstrategie, die uns die Leitplanken für die Entwicklungsrichtung vorgeben.» Das Miteinander ist wichtig, wenn es beispielsweise darum geht, neue Busspuren für zuverlässigere Busverbindungen zu schaffen. Weitere Schwerpunkte setzt die Stadt bei der Umsetzung des Gegenvorschlages «Velonetz jetzt» für sichere Veloverbindungen für Menschen von 8 bis 80 oder bei der Umsetzung von Klimaquartieren.

Geschickte Verkehrsplanung

Im Hintergrund laufen zudem die Planungsarbeiten rund um den Durchgangsbahnhof auf Hochtouren. Dieses Projekt ist die Antwort auf zwei Entwicklungen, welche die künftige Mobilität beeinflussen werden: Bevölkerungswachstum und Klimaerwärmung. «Die Stadt Luzern steht vor grossen Herausforderungen im Bereich Mobilität, aber auch in den Bereichen Stadtplanung, Klimaschutz und Klimaanpassung», sagt Milena Scherer. «Die Transformation von Luzern zur Stadt der Zukunft wird die Innenstadt als Begegnungs- und Wohnort stark prägen.» Die Mobilität spiele dabei eine grundlegende Rolle, ergänzt Sibylle Lehmann. «Mit einer geschickten Verkehrsplanung hin zu einer platzsparenden Mobilität können wir Flächen freispielen, um zu entsiegeln, mehr Grün in die Stadt zu bringen und Aufenthaltsqualität zu schaffen.»

Weiter zum Interview mit Stadträtin Franziska Bitzi Staub:
Eine attraktive Innenstadt für alle

 

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