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2. Februar 2026
Stadtzentrum, Kernstadt, City oder einfach nur Stadt – die Luzerner Innenstadt hat viele Namen und viele Gesichter. Über die Jahrhunderte hat sich die Innenstadt ständig gewandelt, ihren Charakter aber beibehalten. Denn sie war stets ein lebendiger Ort mit vielen verschiedenen Menschen, die sich den engen Raum teilen. Eine Spurensuche.

Bild oben: Der Weinmarkt war das Zentrum der vorstädtischen Siedlung. Hier wurde seit dem 12. Jahrhundert mit Getreide, Fleisch oder Leder gehandelt.

Von Simon Rimle

Die Geschichte der Stadt Luzern beginnt da, wo heute die Hofkirche steht und wo sich heute die Altstadt befindet. Was für uns selbstverständlich zur Innenstadt gehört, war einst nicht mehr als ein Kloster und wenige Häuser am Fusse des Musegghügels. Luzern war noch weit entfernt von einem Innen und einem Aussen. Auch der Name «Luzern» und die Bezeichnung «Stadt» waren Jahrhunderte entfernt. Um das Jahr 735 gründeten südalemannische Adlige das Kloster im Hof. In der näheren und weiteren Umgebung besass es 16 sogenannte Dinghöfe. Der am nächsten zu Kloster und Seeausfluss gelegene Hofverband war gleichzeitig Marktplatz und entwickelte sich zur Siedlung, dem späteren Luzern. Für 1178 ist zum spirituellen Beistand ein «Leutpriester » in der Peterskapelle bezeugt, und ab 1220 dürfte mit dem Bau der Stadtmauer auch für handfesten Schutz gesorgt worden sein.

Das Zentrum des vorstädtischen Siedlungskerns war der Weinmarkt. Hier wurde seit dem 12. Jahrhundert mit Getreide, Fleisch oder Leder gehandelt. Die heutige Altstadt bestand damals aus verstreuten Häusergruppen, Mühlen im Westen und einer Kapelle im Osten (Peterskapelle). An der schmalsten Stelle führte eine befahrbare Brücke über die Reuss (heutige Reussbrücke). Auf dem Markt versorgten sich vor allem die lokale Bevölkerung und Landleute aus der Umgebung. Dank seiner verkehrsgünstigen Lage am Vierwaldstättersee und an der Reuss wurde Luzern zum Warenumschlagplatz zwischen Mittelland und Voralpen, später zur Drehscheibe für den Warenstrom über den Gotthard.

Natur setzt Grenzen

Dass Luzern im Gebiet der heutigen Altstadt entstand, hatte praktische Gründe. Dort befindet sich felsiger Baugrund – stabil, allerdings arm an Trinkwasser. Auf der anderen Seite der Reuss war zwar Quellwasser vom Gütsch vorhanden, aber das flache Schwemmland wurde vom Krienbach immer wieder überflutet. An den rechtsufrigen Hängen war das Bauen nicht möglich, da die Trinkwasserzufuhr technisch noch nicht gelöst war. Nach 1250 liessen sich die Franziskaner am Rande der Siedlung auf der Kleinstadtseite nieder. Damit entstand ein städtischer Gegenpol: Luzern hatte eine Kleinstadt und eine Grossstadt. Zwischen 1400 und 1800 lebten in Luzern jeweils rund 4000 Menschen. Danach erlebte die heutige Innenstadt ein rasantes Wachstum. Bis 1890 verfünffachte sich die Stadtbevölkerung.

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts fehlte es in Luzern an Boden, auf dem sich die Stadt hätte ausdehnen können. Die Stadt musste sich erst ihres «steinernen Gürtels» entledigen: Ab den 1850er-Jahren wurden bis auf die Museggmauer fast alle Mauern und Türme systematisch abgebrochen. Gleichzeitig wurden Reuss- und Seeufer ausgebaut und befestigt. Im Gebiet Obergrund und Eichhof entstanden erste Villenviertel, der erste Bahnhof wurde gebaut, und die Welt entdeckte Luzern als Feriendestination. Am Seeufer und entlang der Reuss entstanden grosse Hotels. Mit der Abdrehung des Bahnhofs 1896 konnte auch der «eiserne Gürtel» gesprengt und das Gebiet Hirschmatt/Neustadt überbaut werden. Als Antwort auf die «steinerne Stadt der Jahrhundertwende» entstanden ab Anfang des 20. Jahrhunderts ausserhalb des eigentlichen Stadtkerns lockere Überbauungen, beispielsweise im Bramberg, Wesemlin und Untergütsch.

Lebendiges Treiben

Spätestens mit der Entstehung der Aussenquartiere erhielt Luzern eine Innenstadt. Ein Ort, an dem alles begann. Ein Ort des Handels, des Begegnens und des Erlebens. 1995 fand auf Einladung des Stadtrats eine Arbeitstagung zum Thema «Attraktivierung der Luzerner Innenstadt» mit verschiedenen «Interessengruppen» statt. Dabei wurden auch die Grenzen der Innenstadt festgelegt. Mit dem neuen ALI-Fonds-Reglement wurde dieses Gebiet nun vergrössert (siehe Karte). In der Innenstadt treffen aufgrund der sehr unterschiedlichen Anspruchsgruppen viele verschiedene Bedürfnisse aufeinander. Wie vor Jahrhunderten wird in der Innenstadt gearbeitet, gewohnt, gelebt und übernachtet. Es werden Feste gefeiert und Theater besucht, hier kreuzen sich Verkehrswege und wird eingekauft – in Boutiquen, Drogerien und auf dem Markt. Hier sind Verwaltung, Polizei und Banken angesiedelt, Anwaltskanzleien und Arztpraxen, Kleingewerbe und internationale Konzerne. Die Altstadt ist bis heute der Hotspot der Luzerner Fasnacht, eine beliebte Flaniermeile mit zahlreichen Geschäften und Restaurants. Gäste aus aller Welt bewundern die historischen Bauten sowie den Blick auf See und Berge aus ihren Hotelzimmern. Busse und Züge bringen Studierende an die Universität und die Hochschule Luzern, Pendelnde in Büros und Grosseltern zu ihren Enkelkindern – um nur einige Beispiele des lebendigen Treibens zu nennen.

Je dichter das Nebeneinander in der Innenstadt, desto grösser ist das Konfliktpotenzial. Ein Streitpunkt war und ist der Verkehr. Bevölkerung und Parlament bestimmen die Entwicklung in der Innenstadt mit. Die Aufwertung von Bahnhofstrasse und Inseli gehen auf Volksinitiativen zurück. Die Bevölkerung hat sich auch klar zur Klima- und Energiestrategie der Stadt Luzern bekannt, die unter anderem Einfluss auf Mobilität und Stadtplanung hat.

Es geht nur miteinander

Die aktuellen städtebaulichen Projekte in der Innenstadt haben zum Ziel, den Stadtraum aufzuwerten und neue Begegnungsorte zu schaffen. Die Projekte sollen möglichst vielen Menschen zugutekommen. Dazu gehören beispielsweise die autobefreite Bahnhofstrasse, der neue Geissmattpark, neue Velostrassen wie an der Neustadtstrasse oder die Umgestaltung des Löwenplatzes. Bei allen Projekten werden auch Massnahmen realisiert, die einen Beitrag zur Klimaanpassung leisten und das Stadtklima verbessern. Für all dies braucht es ein Miteinander – von Politik und Bevölkerung, von Wirtschaft und Tourismus, von Kultur und Sport, von Verbänden und Quartiervereinen. Die Innenstadt ist ein spezieller Ort und ihre Geschichte längst nicht fertig geschrieben.

Karte Innenstadt Luzern
Die Grenzen der Innenstadt wurden 1995 in einer Arbeitstagung mit verschiedenen Interessengruppen festgelegt (in Blau) und vom Grossen Stadtrat mit dem Inkraftsetzen des neuen ALI-Fonds-Reglements 2026 erweitert (in Grün).

Mit Weitsicht umgestalten

Weitere Informationen zur Weiterentwickung der Innenstadt im nächsten Beitrag:
Mit Weitsicht umgestalten
 

ALI-Fonds

ALI steht für Attraktivierung der Luzerner Innenstadt. Der ALI-Fonds und die ALI-Kommission bestehen seit 1997. Das Reglement wurde 2025 totalrevidiert und ist seit Anfang 2026 in Kraft.

Zweck des Fonds

In den ALI-Fonds fliessen jährlich 500’000 Franken aus den Parkingmeter-Einnahmen der Stadt Luzern. Der Zweck des ALI-Fonds ist die Attraktivierung der Luzerner Innenstadt als Marktplatz. Der Begriff «Marktplatz» wird dabei ganzheitlich interpretiert: Die Innenstadt (siehe Karte) soll ein Ort des Austausches, der Begegnung und der Interaktion sein. Der ALI-Fonds unterstützt dabei Massnahmen, die diesen Marktplatzcharakter stärken und zur Belebung, zur Verbesserung der Aufenthaltsqualität und positiven Wahrnehmung der Innenstadt beitragen. In der Regel werden keine Kooperationen eingegangen, und es wird keine Strukturunterstützung gewährt. Weiter werden keine einzelnen gewinnorientierten Unternehmen und Organisationen unterstützt.

Beurteilungskriterien

Bei der Beurteilung der Gesuche sind folgende Kriterien relevant:

  • Bezug zum Marktplatz als Handelsplatz und /oder als Begegnungsort
  • Ideenattraktivität
  • Potenzial für Rückkoppelung in den Marktplatz
  • Nachhaltigkeit
  • Niederschwelliger Zugang
  • Kooperation und Austausch
  • Kommerzielles Potenzial

Weitere Informationen:
www.stadtluzern.ch/ali-fonds
 

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Stadtmagazin 1/2026