Frühe Förderung

Die Massnahmen der Frühen Förderung zeigen Wirkung! Die externe Evaluation der Hochschule für Soziale Arbeit Luzern zeigt, wo die Stärken der Angebote liegen und wo Verbesserungspotential besteht. Die gute Einbindung der Massnahmen in die bestehenden Versorgungsstrukturen, die gute Vernetzung und die frühe Sprachförderung muss unbedingt beibehalten und weiter ausgebaut werden.

Einladung zum 9. Netzwerkanlass Frühe Förderung


Mittwoch, 20. September 2017, 13.30 - 17.00 Uhr im Pfarreizentrum Barfüesser, Luzern

Wie lernen Kinder sich zu beteiligen, mitzureden, mitzugestalten? Können auch schon die Allerkleinsten partizipieren? Was müssen wir Erwachsenen tun oder lassen, dass eben genau der Lerneffekt bei den Jüngsten der Gesellschaft eintritt? Ist Partizipation einfach «mach doch mal selber?» Oder steckt da doch viel mehr Arbeit und Bewusstheit dahinter? weiterlesen

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Ausgangslage und Ziele Frühe Förderung

Am 27. Oktober 2012 hat der Grosse Stadtrat dem Bericht und Antrag Frühe Förderung zugestimmt. Zwischen den Jahren 2012 und 2015 wurde das Projekt mit seinen vier Schwerpunktmassnahmen ausgearbeitet und umgesetzt. 2015 wurde die Wirksamkeit der Massnahmen von der Hochschule für Soziale Arbeit Luzern evaluiert. Der Grosse Stadtrat stimmt dem Bericht und Antrag zur Frühen Förderung im Jahr 2015 ein weiteres Mal zu und beauftragt Kinder Jugend Familie die Massnahmen weiterzuführen und in die bestehenden Strukturen zu implementieren.

Die konkreten Ziele der vier Massnahmen für die Jahre 2016 – 2020 finden Sie in den entsprechenden Rubriken.

<a href="http://www.stadtluzern.ch/de/onlinemain/dienstleistungen/?dienst_id=26267&themenbereich_id=7&thema_id=816">Massnahme 1: Kooperationsnetz</a>
Die Stadt Luzern übernimmt eine aktive Rolle in der Steuerung, Koordination und Projektunterstützung im Bereich der Frühen Förderung.

Massnahme 2: Sprachförderung im Vorschulalter
Kinder werden bei der Entwicklung ihrer Sprachkompetenzen gefördert, Eltern und das Personal von Betreuungsinstitutionen erhalten bei dieser anspruchsvollen Aufgabe Anleitung und Unterstützung.

Massnahme 3: Mütter- und Väterberatung mit interkulturellen Vermittelnden (IKV)
Durch die Weiterführung des Pilotprojekts Miges Balù werden Familien in weiteren Sprachen mittels interkultureller Vermittlung erreicht.

Massnahme 4: Mütter- und Väterberatung Hausbesuche
Durch Hausbesuche der Mütter- und Väterberatung können schwierige Situationen und Ressourcen früher erkannt und Familien gezielter unterstützt werden.

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Daten und Fakten zur Frühen Förderung

Die Familie ist der wichtigste Einflussfaktor für die Entwicklung des Kindes – selbst eine qualitativ hochstehende familienergänzende Betreuung kann die Kernfamilie nicht ersetzen. Dennoch können alle Kinder hinsichtlich der sprachlichen, sozialen, motorischen, kognitiven und emotionalen Entwicklung von ausserfamiliären Betreuungs- und Förderangeboten profitieren. Das Ausmass hängt dabei massgeblich von der Qualität des vorschulischen Angebotes ab. Rund 44 % aller Stadtluzerner Vorschulkinder und mehr als 2/3 der 3-4-jährigen Kinder besuchen familienergänzende Angebote in der Stadt und können über diese mit gezielter Früher Förderung erreicht werden.

Frühe Förderung wirkt präventiv
Frühe Förderung kommt allen Kindern zugute – Kinder aus bildungsfernen oder sozialökonomisch schwachen Familien profitieren überdurchschnittlich. Die PISA-Ergebnisse belegen, dass Bildungschancen und Schulerfolg in der Schweiz stärker als in anderen Ländern eng mit der sozialen Herkunft verknüpft sind. Kinder aus sozial benachteiligten Familien weisen beim Eintritt in den Kindergarten häufiger Entwicklungsrückstände auf, welche durch die Schule nicht mehr ausgeglichen werden können. Mit Früher Förderung werden Kinder unabhängig ihrer Herkunft mit Ressourcen ausgestattet, die bedeutsam für ihre späteren Bildungs- und Lebenschancen und damit auch für das Entwicklungspotential unserer Gesellschaft sind.

Investitionen in die Frühe Förderung zahlen sich wirtschaftlich aus
Die richtige Intervention zur richtigen Zeit kann Folgekosten im Schul- und Erwachsenenalter vermeiden. In die Frühe Förderung zu investieren ist somit nicht nur eine Frage der sozialen Gerechtigkeit, sondern auch aus der Perspektive der Kosteneffizienz sinnvoll.

Ein Beispiel: Die Stadt Luzern führte 2011 über 480 vormundschaftliche Massnahmen für Kinder und Jugendliche. Über 100 Kinder sind fremdplatziert. Eine Platzierung kostet die öffentliche Hand über Fr. 100'000 pro Jahr. Verhindert die gezielte Frühe Förderung nur zwei Platzierungen, entspricht dies einer Kostensenkung von über Fr. 200'000 – so viel, wie die beschlossenen Massnahmen insgesamt jährlich kosten.

Kinder haben ein Recht auf Schutz, Förderung, und Partizipation
So ist es in der UNO- Kinderrechtskonvention festgehalten. Die Förderung von Kindern ist in der Bundesverfassung verankert. Der Bund, die Kantone und die Gemeinden müssen bei der Erfüllung ihrer Aufgaben den besonderen Förderungs- und Schutzbedürfnissen der Kinder Rechnung tragen. Frühe Förderung steht in damit in gemeinsamer Verantwortung von Eltern und Gesellschaft.

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Hausbesuche der Mütter- und Väterberatung

Hausbesuche (Massnahme 4) bieten der Mütter- und Väterberatung wichtige Einblicke in die Lebensrealitäten belasteter Familien. Regelmässige Hausbesuche sind eine wichtige und wirkungsvolle Massnahme, um sozial belastete Familien und Risikosituationen frühzeitig zu erkennen, und dort wo nötig, gezielt zu intervenieren. So werden vermehrt auch diejenigen Familien erreicht, die Unterstützung am nötigsten haben.

„Wir entdecken die Welt“ heisst das Programm, das bereits in anderen Gemeinden erfolgreich angewendet wird. Im Rahmen der regulären Mütter- und Väterberatung werden sowohl Risiko- als auch Resilienzfaktoren geprüft. Sind für die gesunde Entwicklung des Kindes zusätzliche Hausbesuche indiziert, kommen geschulte Hausbesucherinnen der Caritas zum Einsatz.

Die Hausbesucherinnen begleiten die Familien während eines Jahres in monatlichen Besuchen à rund 90 Minuten. Im Rahmen der Hausbesuche erkennt die Beraterin Potentiale der Familie und unterstützt die Eltern in ihrer Eigenverantwortung. Sie erhalten Informationen zur Entwicklung und Anleitung zur Förderung des Kindes, ausserdem unterstützt die Hausbesucherin aktiv die Einbindung in den grösseren Lebensraum. Das Kind wird in seiner Lernfreude und Neugier abgeholt, entdeckt neue Spielmaterialien und lernt Rituale und Regeln kennen. Indem es bereits im frühkindlichen Alter angemessen in seiner Entwicklung gefördert wird, kann später ein reibungsloserer Einstieg in Kindergarten und Schule gelingen.

Am 6. Netzwerkanlass Frühe Förderung der Stadt Luzern trafen sich verschiedene Vertretende von Angeboten, welche Familien zuhause aufsuchen und begleiten.
Sie diskutierten die Herausforderungen und gelingende Faktoren für die Arbeit zu Hause. 

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Kooperationsnetz Frühe Förderung

Eine gute Vernetzung und Zusammenarbeit aller Akteure ist eine wichtige Voraussetzung, damit die Ziele in der Frühen Förderung erreicht werden können. Mit dem Aufbau des Kooperationsnetzes (Massnahme 1) übernahm die Stadt Luzern in Zusammenarbeit mit weiteren Anbietern und Institutionen während der Pilotphase eine aktive Rolle. Die Evaluation des Netzwerks zeigt bereits erste Wirkungen auf. Die interdisziplinäre Vernetzung ermöglicht:

  • Einblick und Orientierung über die vorhandenen Angebote in der Stadt Luzern,
  • Ressourcen und Leistungen besser aufeinander abzustimmen,
  • rasche Triage durch persönliche Bekanntschaft und gute Kenntnis der Leistungen anderer Stellen
  • Erfahrungsaustausch, Lernen voneinander und unbürokratischen Zugang zu relevantem Know-how,
  • Themen aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten und Lösungen breit abzustützen,
  • eine gemeinsame Zielrichtung zu entwickeln, eine gemeinsame Sprache zu finden und den Dialog über unterschiedliche Haltungen zu führen.

Die drei Ebenen der Vernetzung im Bereich Frühe Förderung in der Stadt Luzern
Die Stadt Luzern bleibt auch in der Programmphase 2016-2020 daran, die Partizipation aller Beteiligten in der Frühen Förderung zu fördern und zielführende Kooperationen zu unterstützen. Mehr über die konkreten Ziele, die Strategiephasen und Massnahmen erfahren Sie im Dokument Kurzbeschrieb Konzept Netzwerk Frühe Förderung 2016-2020.

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Leitsätze der Stadt Luzern in der Frühen Förderung

Die Stadt Luzern setzt mit dem Schwerpunkt Frühe Förderung ein politisch tragfähiges, nachhaltiges Fundament für die Gesellschaft von morgen. Nur ein kohärentes, koordiniertes und spezifisches Massnahmenpaket erzielt gute Wirkungen. Dazu braucht es eine einheitliche Strategie sowie Ziele und Leitsätze, aus denen die entsprechenden Massnahmen abgeleitet werden können.

Kind – Potenziale nutzen
Frühe Förderung unterstützt die Entwicklung der emotionalen, motorischen, sprachlichen, sozialen und kognitiven Fähigkeiten der Kinder im Vorschulalter und trägt damit zur Chancengerechtigkeit bei. Die Stadt Luzern setzt den Schwerpunkt der Förderung bei Kindern aus sozial benachteiligten Familien.

Eltern – Ressourcen stärken
Frühe Förderung unterstützt Eltern in ihrer Erziehungsarbeit und begünstigt dadurch ein Umfeld, das der kindlichen Entwicklung gerecht wird.

Lebensraum – im Quartier anknüpfen
Die Angebote und Massnahmen der Frühen Förderung orientieren sich am unmittelbaren Lebensraum der Kinder und ihrer Familien. Frühe Förderung unterstützt und koordiniert die Aktivitäten im Quartier.

Institutionen – Zusammenarbeit optimieren, vernetzen
Frühe Förderung umfasst Angebote, Massnahmen und Strukturen, welche die gesunde, ganzheitliche Entwicklung von Kindern im Vorschulalter gewährleisten und unterstützen. Das soll innerhalb von Familien ebenso wie familienergänzend geschehen.

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Mütter- und Väterberatung mit interkultureller Vermittlung

Die Mütter- und Väterberaterin führt die Beratungen gemeinsam mit einer interkulturellen Vermittlerin durch (Massnahme 3). Mit ihnen gelingt es markant besser, Vertrauensverhältnisse zu den Eltern aufzubauen und das Wissen und Verständnis für gesunde Ernährung, Bewegung sowie altersgerechte Spielförderung zu erhöhen. Ausserdem können mit diesem Angebot  zugewanderte Familien über Strukturen und Abläufe zu den Themen Wohnen, Gesundheitswesen, interkulturelle Verständigungsprobleme, Schulsystem in der Schweiz informiert und beraten werden.

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Sprachförderung bei Kindern im Vorschulalter

Aktuell
Nach einer ersten Pilotphase 2013 - 2015 wurden die 'Prinzipen der Sprachförderung' und die 'Kurzbeschreibung Sprachförderung 2016' komplett überarbeitet.


Mit der frühen sprachlichen Förderung oder Sprachförderung im Vorschulalter meint die Stadt Luzern den natürlichen Spracherwerb kleiner Kinder von Geburt an bis zum Eintritt in den Kindergarten begleiten und unterstützen. Sie orientiert sich an der natürlichen Entwicklung kleiner Kinder und schafft wo nötig den erforderlichen unterstützenden Rahmen, damit kleine Kinder gerechte Chancen für ihre soziale Integration, Inklusion und somit einen guten Schulstart erhalten. Die Massnahme beinhaltet: 
  • Weiterbildung und Coaching von Kita- und Spielgruppenleitenden
  • Supervision
  • Elterninformation
  • Bereitstellen von finanziellen Mitteln für sozial benachteiligte Kinder und für die Kindertagesstätten und Spielgruppen im Programm 
                             
Weiterbildungsangebote Sprachförderung
Fachpersonen aus familienergänzenden Angeboten im Vorschulalter der Stadt Luzern wird im Rahmen des Programms Frühe Förderung die Teilnahme folgender Weiterbildungen ermöglicht:
  • Zweijähriger Lehrgang frühe sprachliche Förderung - Schwerpunkt Deutsch an der Berufsfachschule Basel: weitere Informationen hier. Nächster Start im Sommer 2017.
  • CURAVIA Modulweiterbildung Kinderbetreuung zu verschiedenen Themen der Frühförderung: weitere Informationen hier.  
  • AWIS: Aus- und Weiterbildungen Innerschweiz für Spielgruppenleiterinnen. Vertiefungslehrgang SPIQ, Sprache/Integration/Qualität. Weiterbildung für alle Institutionen im Vorschulbereich möglich. www.spielgruppe-innerschweiz.ch. Nächster Start September 2017.
Bei der Aufnahme ins Programm übernimmt die Stadt Luzern die Ausbildungskosten und weitere Unterstützungsleistungen. Bei Interesse gibt Ihnen Ursula Zihlmann gerne weitere Auskünfte.


Mehrsprachigkeit - eine Chance für alle!
Mehrsprachigkeit ist für viele Familien in der Schweiz die Norm. Sie ist eine grosse Ressource und Chance für Kinder unabhängig welche Sprachen dazukommen. Mehrsprachigkeit ist für den Spracherwerb und -entwicklung kein Nachteil. Für kleine Kinder ist es jedoch elementar, sich mit diesem Merkmal willkommen und angenommen zu fühlen. Für Kinder mit einer anderen Erstsprache als Deutsch ist das richtige Erwerben der Erstsprache die wichtigste Voraussetzung für das Deutschlernen als Zweitsprache. Weitere Informationen und Anregungen finden Sie in folgenden Broschüren:

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