Bevölkerungsumfrage Tourismus

Tourismusbewusstsein der Stadtluzerner Bevölkerung ist nun bekannt

9. June 2020
Die Hochschule Luzern hat Anfang 2020 im Auftrag der Stadt Luzern eine repräsentative Bevölkerungsbefragung zum Tourismusbewusstsein der Luzerner Stadtbevölkerung durchgeführt. Gemäss nun vorliegendem Schlussbericht anerkennen die Stadtluzernerinnen und Stadtluzerner einerseits die attraktive Wirkung und überragende Bedeutung des Tourismus für den Standort Luzern, andererseits bemängeln sie quantitative und räumliche Belastungen. Der Stadtrat nimmt von den Ergebnissen Kenntnis und lässt sie in die partizipativen Strategieprozesse «Vision Tourismus Luzern 2030» und «Carregime» einfliessen. Dasselbe gilt für die Erkenntnisse aus dem Impuls-Portal, auf dem sich die Einwohnerinnen und Einwohner ebenfalls zum Tourismus äussern konnten.
Im Rahmen des partizipativen Strategieprozesses «Vision Tourismus Luzern 2030» hat die Hochschule Luzern im Auftrag der Stadt Luzern eine repräsentative Bevölkerungsbefragung zur Wahrnehmung des Tourismus bei der Stadtluzerner Bevölkerung durchgeführt. Ergänzend konnten diejenigen, die nicht befragt wurden, in einem sogenannten Impuls-Portal ihre Wahrnehmung und Anliegen online bei der Stadt Luzern platzieren. Die Ergebnisse liefern auch aufschlussreiche Erkenntnisse für den von der Stadt parallel und ebenfalls partizipativ durchgeführten Strategieprozess «Carregime».
 

Rund 1'500 Personen an repräsentativer Befragung beteiligt

Als wichtiges Element für die Erarbeitung der Vision Tourismus Luzern 2030 wollte die Stadt Luzern ein umfassendes Bild von der Luzerner Stadtbevölkerung zur Stimmungslage gegenüber dem Tourismus erhalten. Im Auftrag der Stadt hat deshalb das Institut für Tourismuswirtschaft der Hochschule Luzern eine repräsentative Bevölkerungsbefragung durchgeführt. Die Zielpopulation mit 72’532 Personen entsprach der Luzerner Stadtbevölkerung ab 18 Jahren. In zwei Wellen zwischen dem 13. Januar und 23. Februar 2020 wurden basierend auf einer Zufallsstichprobe aus dem Einwohnerregister der Stadt Luzern insgesamt 6’779 Personen per Briefpost persönlich angeschrieben. Der Fragebogen konnte entweder online oder auf Anfrage schriftlich ausgefüllt werden. Die Rücklaufquote der repräsentativen Befragung beträgt 22,6 Prozent.
 
Zusammengefasst zeigt die Befragung, dass die Luzerner Stadtbevölkerung den Tourismus grundsätzlich positiv einschätzt. Viele Aspekte des Tourismus werden aber auch kritisch beurteilt. Insbesondere die Verteilung des Nutzens wird hinterfragt. Dementsprechend stösst eine stärkere Regulierung und Lenkung des Tourismus auf Unterstützung in der Bevölkerung. So ist es auch nicht überraschend, dass sich die Luzerner Stadtbevölkerung keine weitere Zunahme der Anzahl Touristinnen und Touristen wünscht. Viel eher soll ein ausgewogener Gästemix angestrebt werden. Die Detailergebnisse der Bevölkerungsbefragung sind im beiliegenden Schlussbericht der Hochschule Luzern vom 19. Mai 2020 festgehalten.
 

Grosses Echo im Impuls-Portal

Damit auch Stadtluzernerinnen und -luzerner, welche nicht zufällig für die repräsentative Bevölkerungsbefragung ausgewählt wurden, ihre Wahrnehmung zum Tourismus äussern konnten, wurde als weitere Eingabemöglichkeit für die Bevölkerung ein Online-Impuls-Portal zur Verfügung gestellt. Ziel des Impuls-Portals war, ein zur Bevölkerungsbefragung ergänzendes – wenn auch nicht repräsentatives – Stimmungsbild der Einwohnerinnen und Einwohner zu erhalten und allenfalls neue, in der Bevölkerungsbefragung nicht thematisierte Aspekte in die Erarbeitung der Vision Tourismus Luzern 2030 aufnehmen zu können.
 
Über 300 Personen nahmen von Mitte Januar bis 25. Februar 2020 die Möglichkeit zur Äusserung über das Impuls-Portal wahr. Das grosse Echo zeigt, dass es der Stadtluzerner Bevölkerung ein grosses Anliegen ist, sich aktiv in den Visionsprozess einbringen zu können. Die Auswertung der positiven und kritischen Aspekte sowie der Ideen zum Handlungsbedarf hat gezeigt, dass im Wesentlichen dieselben Themen wie in der Bevölkerungsbefragung aufgegriffen wurden. Mehr Details sind im beigefügten Faktenblatt «Erkenntnisse Impuls-Portal» festgehalten.
 

Coronavirus scheinbar ohne Einfluss auf Ergebnisse

Das Ende der Befragung fiel zeitlich in die Anfangsphase des Ausbruchs des Coronavirus bei uns in der Schweiz. Der Vergleich der Resultate aus den beiden Befragungswellen der repräsentativen Bevölkerungsumfrage zeigt, dass der Ausbruch des Coronavirus bis zu diesem Zeitpunkt keinen Einfluss auf das Antwortverhalten der Bevölkerung hatte. Diese Einschätzung bestätigen auch die Einträge im Impuls-Portal, in denen der Begriff «Corona» lediglich einmal genannt wurde. Allerdings ist zu beachten, dass die Bedeutung und das Ausmass der Coronakrise im Februar 2020 der Bevölkerung nicht gleich bewusst gewesen sein dürfte, wie dies heute der Fall wäre.
 

Stadtrat nimmt Ergebnisse ernst

Der Stadtrat ist sich der grossen volkswirtschaftlichen Bedeutung des Tourismus für die Stadt Luzern und die gesamte Region bewusst, nimmt aber gleichzeitig auch die Bedürfnisse und Bedenken der Bevölkerung sehr ernst. Er ist deshalb sehr dankbar, dass dank der repräsentativen Bevölkerungsbefragung nun fundierte Kenntnisse zum Tourismusbewusstsein in der Luzerner Stadtbevölkerung vorhanden sind. Es handelt sich um eine Momentaufnahme Anfang 2020. Diese ermöglicht für die zukünftige Entwicklung einen Vergleich.
 
Die Ergebnisse aus der Bevölkerungsbefragung und die Erkenntnisse aus dem Impuls-Portal zeigen dem Stadtrat eine differenzierte Einstellung der Stadtluzerner Bevölkerung gegenüber dem Tourismus. Einerseits anerkennen die Stadtluzernerinnen und Stadtluzerner die attraktive Wirkung und überragende Bedeutung für den Standort Luzern, andererseits bemängeln sie quantitative und räumliche Belastungen.
 
Für den Stadtrat sind die hohe Bedeutung und der grosse Nutzen des Tourismus für die Stadt Luzern in der Bevölkerung unbestritten und grossmehrheitlich anerkannt. Gleichzeitig werden jedoch Aspekte ersichtlich, die von den Stadtluzernerinnen und Stadtluzernern kritisch beurteilt werden. Dabei geht es beispielsweise um die Verteilung des Nutzens und die Betroffenheit durch die negativen Auswirkungen. Auch der Stadtrat erachtet die Frage der Verteilung von Nutzen und Kosten des Tourismus in der Stadt Luzern als eines der zentralen Themen für die Entwicklung der künftigen Tourismusstrategie.
 
Was die akzeptable Anzahl Touristinnen und Touristen betrifft, ist die Bevölkerung gemäss Befragung der Meinung, dass diese in der Stadt Luzern generell und in der Altstadt stark überschritten ist. Zudem beurteilen die befragten Einwohnerinnen und Einwohner der Innenstadt den Tourismus im Durchschnitt kritischer als die Bevölkerung der anderen Stadtkreise. Das Thema der räumlichen Konzentration oder Verteilung der Gäste ist ein wichtiger Diskussionspunkt in der Weiterentwicklung des Tourismus in der Stadt Luzern. Dabei gilt es jedoch zu beachten, dass eine Zunahme von Touristinnen und Touristen von den Befragten im eigenen Quartier nicht erwünscht ist.
 
Im Gegensatz zu Gästen aus der Schweiz und Europa sowie Individualreisenden treffen gemäss Befragung Gäste asiatischer Herkunft sowie Gruppenreisende auf weniger grosse Akzeptanz. Insbesondere der Cartourismus wird kritisch hinterfragt. Der Stadtrat anerkennt diese Wahrnehmung und nimmt sie ernst. Er gibt gleichzeitig auch zu bedenken, dass Gruppen eine hohe Wertschöpfung für den Detailhandel bringen und ihre Reiseform aus einer Verkehrsperspektive zudem effizient ist. Da sie mit dem Verkehrsmittel Car anreisen, sind Gruppenreisende grundsätzlich auch relativ gut lenkbar.
 

Ergebnisse fliessen in Strategieprozesse ein

Der Wunsch nach einer stärkeren Lenkung und Regulierung des Tourismus ist bei einer Mehrheit der Befragten vorhanden, so auch die Akzeptanz für die in der Bevölkerungsbefragung genannten Massnahmen (z. B. Sensibilisierungskampagne oder vielfältigerer Gästemix). Dadurch und basierend auf den Ergebnissen insgesamt sieht sich der Stadtrat bestätigt, dass er mit den beiden Strategieprozessen Tourismus und Carregime die richtigen Frage- und Weichenstellungen angeht.
 
Es ist dem Stadtrat ein Anliegen, auf die bei zahlreichen Fragen grosse Streuung der Antworten hinzuweisen, welche aufzeigt, dass es bei der Einschätzung der Befragten signifikante Unterschiede gab. Dies unterstreicht aus Sicht des Stadtrates unter anderem die grosse Bandbreite in der Wahrnehmung der Bevölkerung der Stadt Luzern: Der Tourismus bewegt die Menschen und berührt emotional.
 
In diesem Sinne nimmt der Stadtrat von den Ergebnissen aus der repräsentativen Bevölkerungsbefragung und den Erkenntnissen aus dem Impuls-Portal Kenntnis. Die Ergebnisse werden wie vorgesehen in die Erarbeitung der Vision Tourismus Luzern 2030 sowie den Strategieprozess Carregime einfliessen.
 

Strategieprozess zur Vision Tourismus 2030 sistiert

Anfang Januar 2020 wurde im Strategieprozess «Vision Tourismus Luzern 2030» mit der vertieften Analyse begonnen, die neben der repräsentativen Bevölkerungsbefragung und dem Impuls-Portal noch weitere Partizipationsformen beinhaltet. Aufgrund der Coronakrise mussten einige der geplanten Anlässe verschoben werden. Vor dem Unterbruch konnten aber erfreulicherweise auch noch verschiedene Expertengespräche und ein verwaltungsinternes Hearing durchgeführt werden.
 
Der Strategieprozess Tourismus wird im Frühherbst mit dem ersten Stakeholder-Workshop fortgesetzt und die Projektphase der vertieften Analyse abgeschlossen. Darauf aufbauend wird gemeinsam mit den Stakeholdern in der zweiten Phase eine Vision entwickelt. Es geht um die Frage, welchen Tourismus die Stadt will und wohin sich der Tourismus in der Stadt entwickeln soll. In der dritten Phase wird wiederum unter Einbezug der Stakeholder ein Umsetzungskonzept erarbeitet und der Strategieprozess Tourismus abgeschlossen. Zum jetzigen Zeitpunkt beurteilt es der Stadtrat daher als verfrüht, weitergehende Schlussfolgerungen oder konkrete Massnahmen zu definieren.
 
Der Stadtrat dankt der Bevölkerung für das aktive Mitmachen bei der repräsentativen Bevölkerungsumfrage sowie für die zahlreichen Rückmeldungen über das Impuls-Portal. Er anerkennt das hohe Interesse der Stadtbevölkerung am Tourismus und seinen Auswirkungen. Dem Stadtrat ist deshalb wichtig, die Bevölkerung auch weiterhin über die Entwicklung in der Erarbeitung der Vision Tourismus Luzern 2030 auf dem Laufenden zu halten. Auch will er die Stadtluzernerinnen und Stadtluzerner häufiger über den Tourismus informieren und Zusammenhänge wie beispielsweise Nutzen und Auswirkungen des Tourismus für Wirtschaft und Bevölkerung besser aufzeigen.
 
Beilagen:
  1. Schlussbericht Hochschule Luzern, Institut für Tourismuswirtschaft ITW, vom 19. Mai 2020 «Tourismusbewusstsein der Luzerner Stadtbevölkerung»
  2. Faktenblatt Erkenntnisse Impuls-Portal «Vision Tourismus Luzern 2030» vom 9. Juni 2020