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10. December 2020
Der Stadtrat hält daran fest, dass die «Familie Eichwäldli» bis Ende Januar 2021 aus der städtischen Liegenschaft am Murmattweg 2 ausziehen muss. Eine Gesamtsanierung des baufälligen Gebäudes ist aus Sicht des Stadtrates nicht verhältnismässig. Eine befristete Nutzung wäre mit Sofortmassnahmen zwar möglich. Dies kommt für den Stadtrat nicht nur aus finanziellen Überlegungen nicht in Frage, sondern auch, weil sich die «Familie Eichwäldli» trotz mehrmaliger Aufforderungen nicht bereit zeigte, sich an die Abmachungen und Sicherheitsauflagen zu halten. Die ehemalige Soldatenstube wird deshalb abgerissen und das Areal einer Zwischennutzung zugeführt. Diese soll in einem partizipativen Prozess mit den Quartierkräften erarbeitet werden.
Der Quartierverein Obergrund, der Verein Brache Eichwäldli und die Jungen Grünen Luzern haben sich je mit einem offenen Brief an den Stadtrat gewandt. Sie fordern unter anderem, auf den Abriss der Soldatenstube zu verzichten. Das Haus soll mit baulichen Sofortmassnahmen instand gestellt werden, damit die «Familie Eichwäldi» mindestens ein weiteres Jahr darin wohnen kann und erst ausziehen muss, wenn die weitere Nutzung des Areals geklärt ist. Diese Zwischennutzung des Areals soll in einem partizipativen Prozess unter Federführung der Stadt und mit Beteiligung der Quartierkräfte erarbeitet werden.
 
Da das Areal eine Landreserve für zukünftige Bedürfnisse ist, steht es für mehr als zehn Jahre für eine Zwischennutzung zur Verfügung. Wie der Stadtrat bereits 2017 in einer Antwort auf einen parlamentarischen Vorstoss festgehalten hat, sieht er mittelfristig eine quartiernahe Nutzung des Areals für KMU, Kleingewerbe und Kultur. Kurzfristig soll das Areal ab Frühling 2021 durch die Quartierbevölkerung belebt werden. Der Quartierverein Obergrund, der Verein Brache Eichwäldli und die anderen Akteure des Quartiers sind für die Stadt wichtige Partner. Für den Stadtrat ist deshalb klar, dass eine Nachnutzung des Areals zusammen mit ihnen entwickelt werden muss. In den letzten Wochen wurden bereits erste Gespräche geführt. Geplant ist, im Januar 2021 einen runden Tisch mit allen Beteiligten durchzuführen, um wie gefordert den partizipativen Prozess zu intensivieren.
 
Der Stadtrat ist gegenüber alternativen Lebensformen offen und respektiert sie. Auf die Forderung, die Soldatenstube mindestens befristet stehen zu lassen, kann der Stadtrat aber nicht eingehen. Im Sommer 2018 ist die «Familie Eichwäldli» als Untermieterin des damaligen Mieters in die Soldatenstube eingezogen. Mit dem Ende des Mietvertrages Ende 2018 hat die Gruppe die Besetzung des Gebäudes ausgerufen. Nach Gesprächen im Frühling 2019 und der Räumung des Anbaus aus Sicherheitsgründen hat die Stadt mit der Familie einen befristeten Gebrauchsleihvertrag für den Hauptteil des Gebäudes abgeschlossen. Dieser wurde um ein Jahr bis zum 30. September 2020 verlängert. Im letzten Jahr hat die Stadt verschiedene Varianten zum Erhalt der Liegenschaft geprüft. Denn bereits 2018 hatten bautechnische und statische Gutachten gezeigt, dass die Soldatenstube baufällig ist und ein Sicherheitsrisiko darstellt.
 
Die Fundation des Gebäudes ist für diesen schwierigen Baugrund ungenügend. Zudem wirken das Grundwasser und Wurzeln auf das Gebäude ein. Dies führt dazu, dass sich das Haus bewegt und dreht, was die Tragfähigkeit des Fundamentes weiter beeinträchtigt. Auch energetisch, technisch und im Bereich Brandschutz ist das Gebäude in einem schlechten Zustand. Die umfangreichen Abklärungen seit 2018 zeigten, dass eine Gesamtsanierung wirtschaftlich nicht verhältnismässig ist. Auch aus denkmalpflegerischer Sicht ist eine Sanierung nicht verhältnismässig. Die Soldatenstube ist im Bauinventar des Kantons Luzern zwar als erhaltenswert eingetragen. Da sie aber mehrfach umgebaut wurde, hat die kantonale Denkmalpflege festgestellt, dass der historische Wert der heutigen Substanz klein ist.
 
Für den Stadtrat kommt auch ein befristeter Erhalt der Soldatenstube nicht in Frage. Selbst für die dafür nötigen Sofortmassnahmen dürften sich die Kosten alleine im Bereich Statik auf 200'000 bis 300'000 Franken belaufen. Da die «Familie Eichwäldli» zudem nicht zu Gesprächen bereit ist und daran festhält, das ganze Haus, also auch den einsturzgefährdeten Anbau, bewohnen zu können, hat der Stadtrat im September 2020 entschieden, den Gebrauchsleihvertrag nicht mehr zu verlängern. Die Stadt haftet als Eigentümerin, falls Personen im Haus zu Schaden kommen. Sie kann es sich deshalb aus privatrechtlicher und öffentlich-rechtlicher Sicht nicht leisten, das Gebäude weiterhin der «Familie Eichwäldli» zu überlassen.

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