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Objekt des Monats


Ansicht des Mehrfamilienhauses mit grüssendem Erzengel Gabriel
Ansicht des Mehrfamilienhauses mit grüssendem Erzengel Gabriel


Sanft gereinigt – fein patiniert
Die Fassadeninstandstellung des Apartmenthauses Englischgrussstrasse 2

Am Rande des Weyquartiers duckt sich das Wohn- und Geschäftshaus Englischgrussstrasse 2 in die Innenkurve der Dreilindenstrasse. Versteckt hinter einem dichten Baum- und Heckenbestand wird es im Strassenbild kaum wahrgenommen. Dabei hat sich das Apartmenthaus des SIA Architekten Walter Schmidli für das Geschwisterpaar Elsa und Carl Suter, auch nach 65 Jahren, noch weitestgehend seinen originalen Zustand von 1952 bewahrt: wie das weit auskragende, feinprofilierte Flugdach, das auf dünnen Stützen aufgelagerte und geschwungene Vordach, die grossformatigen geäderten Marmorplatten im Sockel inmitten eines mit Bedacht gestalteten Vorgartens. Ein Tea-Room war anfänglich im Erdgeschoss untergebracht, er war mit einem bemerkenswerten farbigen Interieur vom Innenarchitekten Henry Reymond u. a. mit Bildtapeten der Tapetenmanufaktur Zuber in Rixheim / Elsass ausgestattet. Nach 1961 folgte das Cafe Engelsgruss mit eigener Konditorei.

Das an sich breit gelagerte Doppelhaus gliedert sich in ein im Hang verschwindendes Erdgeschoss, drei Obergeschosse und das Dach. Der nach Westen, zur Englischgrussstrasse hervortretende Sockel ist mit hochwertigen Marmorplatten bedeckt und zeigt die originale, durch eine Treppe erreichbare Eingangssituation mit dem elegant dünnen Vordach. Geschickt ist zur Strassenkurve im Westen ein Vorgarten mit mittlerweile grossem Baumbestand eingefügt, zu dem sich auch die ursprünglichen Ladenfronten des Erdgeschosses öffnen.

Die fünf Achsen der Westfassade werden durch Lisenen voneinander getrennt und zeigen bis zum Boden reichende, dreiteilige französische Fenster mit feinen Gewänden und Eisengeländern in den Putzflächen. Die schmalseitige Südfassade wird durch die gleichen Lisenen strukturiert. Das Sgraffito des grüssenden Erzengels Gabriel von Paul W. Adam dominiert die Strassenfront. Die Ostfassade erweitert ein Risalit, der Treppenhaus und Sanitärräume aufnimmt. Auf Lücke gesetzte Gussbetonsteine mit je drei Löchern verschleiern die grossen Öffnungen zum Treppenhaus und zeichnen es aus. Das flache Vollwalmdach liegt auf einem weit vorkragenden Dachgesims auf, so dass von der Strasse der Eindruck eines Flach- bzw. eines Flugdaches entsteht.

Ein verstecktes, bescheidenes Haus, das es aber in sich hat. Die heutige Bauherrschaft hat unter der Begleitung von TGS Architekten und dem zugezogenen Restaurator Wendelin Odermatt das Haus und seine original erhaltene, fein abgestufte 50er Jahre Gestaltung und Materialisierung wiederentdeckt. Eine Architektur, die von einer Vielzahl kleiner Elemente und einer abgestuften Materialisierung und Farbgebung lebt: von den blaugeäderten Marmorplatten bis zum hellen blaupigmentierten Edelputz zwischen den gebrochen weiss gestrichenen Lisenen. Heller Kunststein fasst die Fenster und die braunen Holzrollläden, im Erdgeschoss finden sich noch originale, schwarzrot eloxierte Aluminiumfenster und -türen für die ursprünglichen Läden. 1980 wurden viele der originalen, grau gefassten Holzfenster durch Plastikfenster ersetzt. Aber der bisher nie gestrichene, blaupigmentierte Edelputz aus mit Weisszement verlängerten Kalkputz und die gereinigten Marmorplatten bestimmen jetzt - nass gereinigt (berieselt), nur stellenweise mit Zweikomponenten-Mineralfarbe ausretuschiert – nach der schonenden Instandstellung das Erscheinungsbild der Fassaden. Die Lisenen wurden neu gestrichen, nachdem sie mit Bürste und Wasser gereinigt, die Risse mit analogen Putz gekittet wurden. Der Rand des Flugdaches blieb feingliedrig, auch neu gefasst im Kupfer, die Betonuntersicht und das Betongesims wurden geflickt und gereinigt.

Der an sich gute Zustand der weitgehend erhaltenen, originalen Oberflächen und Materialien liess es zu, dass mit restauratorischer Material- und Reinigungsberatung eine schonende Instandstellung der Fassaden vorgenommen werden konnte, wobei sich die feine Patina der Oberflächen erhalten liess. Nach wie vor hinter einem grünen Baumvorhang verborgen, lohnt es sich dieses Stück feinster 50er Jahre Architektur mit seinen leichten Blessuren und gerade wegen der sympathischen Altersspuren bewusst zu entdecken.(tgb)


Erstellungsjahr: 1952
Architekt: Walter Schmidli Dipl. Arch. SIA
Bauherrschaft: Elsa Seeholzer-Suter und Carl Suter

Instandsetzung : 2015- 2016
Bauherrschaft: Frau Claudia Moser, Luzern
Architekten: Rafael Schnyder, TGS Architekten AG , Zentralstrasse38A, 6002 Luzern
Bauuntersuch und restauratorische Beratung: Wendel Odermatt, Stöckli AG, Atelier für Konservierung Restaurierung und Vergolderei, Tottikonstrasse 5, 6370 Stans
Fotografien: Wendelin Odermatt 2015

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